Details betrachten, Ganzes verändern

Wenn ich für kurze Momente aus meinem Hamsterrad falle, werde ich nach ein paar Tagen der Verblüffung von einer Welle der Kreativität überschwemmt. Kreativität im Sinne des Erschaffenwollens. Dann baue ich Tische und Stühle ohne zum Baumarkt zu gehen, dekoriere mit allem, was meine Zweizimmerwohnung zu bieten hat und tauche meine Pinsel in Farbe. Was rauskommt ist relevant, aber nicht der Fokus des Schaffens. Es geht um die Freude des Neuen, die sich beim Gestalten einstellt. Als ich als 22-Jährige das erste Mal in Barcelona ankam und mit meinem 27 kg schweren Klamottenkoffer meine erste Bleibe bezog, ein 6 qm großes Kämmerchen mit Fenster in einen Schacht, zog ich noch am gleichen Nachmittag voller Begeisterung durch die Läden und sammelte kostenlose Mode- und Musikzeitschriften ein, um die gelungsten Bilder herauszutrennen und an meine Wand zu kleben. Neu geht immer und irgendwo ist auch etwas Schönes dabei. Auch wenn es manchmal nicht auf ersten Blick sichtbar ist. Man muss nur sein Auge sensibilisieren und seiner Seele gut zureden.

Ein Sommertag in Leichtigkeit

Auf den gleichen Pfaden zu verschiedenen Jahreszeiten hat man immer andere Erlebnisse. Auch wenn ich die Ferne vermisse, die mir Neues bringt, gibt es immer noch die Tiefe, in der ich mich verlieren kann. In zwei Wochen habe ich es ein wenig geschafft, die Vielzahl meiner Projekte zu reduzieren. Jeden Kaffee zu zelebrieren, viel in der Sonne zu sitzen, zu schlendern… Nun ist mein letzter Urlaubstag passé und Montag wartet mit einer neuen Herausforderung auf mich.

Zurück zum Neuen und dem Anfang, der einen Zauber inne hat.

Mehr Sonne, mehr Strand, mehr Urlaub

Ein Urlaubstag in Schillig an der Nordsee. Tatsächlich perfekt. Das Wetter mild und warm, der Wind sanft. Die Stimmung war so friedlich und fröhlich. All die Themen, die sich oft aufdrängen, waren nicht da. Vom Winde verweht. Leicht, locker, luftig, aufgelöst. So ein Tag ist eine Unendlichkeit. Ein in sich geschlossenes Universum. Man kann es vorbeiziehen lassen. Oder in sich aufnehmen. Für andere Zeiten.

Zeit der Abstinenz

Ich krieche zwischen Bücherstapeln und raste unter Blumensträußen.

Meine Kreativität beschränkt sich auf meinen Kopf und versperrt sich meinen Gliedmaßen.

Ich fülle mein Glas und meinen Teller.

Die Wildnis tröstet in ihrer aufdringlichen Art.

Heute weht ein warmer Wind durch mein Haar.

Ich schreibe ein paar Sätze und denke einen Roman.

Zwei Mühlen

Ein wunderschöner Wandertag gekrönt mit dem offenen Mühlencafé, das Eis, Kaffee und Kuchen anbietet! Was für ein Luxus! Ich hatte ganz vergessen, wie es ist, nicht seinen halben Hausstand auf dem Rücken zu tragen, sondern nur ein Viertel!

Nach dem Abendessen bin ich voller Stolz ob der 11 km Nordpfad “Zwei Mühlen” im Sonnenschein, außerdem satt und zufrieden. Ich empfehle, es mir gleichzutun. Einfach loszulaufen. Danach hat man etwas geschafft. Wann kann man das sonst schon mal von sich sagen? Im Arbeitsleben oder Privatleben gibt es ja nur noch selten etwas Abgeschlossenes. Es ist einfach nie zu Ende mit der Optimierung. Da lob ich mir den Wanderweg! Rum ist rum, wie die Bremerin sagt.

Outstaton – Irgendwie Out

How to create an alien? It’s easy, just like how to create a monster.

Ihr seid draußen

Ich bin drinnen

Ihr wollt tauschen

Ich entrinnen

Was ihr seht von außen

Ist nicht das gleiche innen

Ihr seht mich fröhlich laufen

Und nicht Frustfressen drinnen

Ihr nennt es instagram

Ich nenn es outstaton

Die Mauer dicker Steine

Mit Tränen aufzuwiegen

Da muss man ganz schon viel weinen

Oder sich selbst besiegen

Ihr seid draußen

Ich bin draußen

Nein, ihr wollt nicht mit mir tauschen

Lasst mich nur ein bisschen

An Illusionen berauschen

Mohn zum Montag

Ich verabschiede dieses Wochenende mit seinen hellen und dunklen Wolken nachdenklich. Die Wahlergebnisse in Sachsen-Anhalt offenbaren, dass rund 60% der Wähler*innen CDU und AFD wählen. Zwei Parteien, die ich unterschiedlich gefährlich einstufe, aber doch in einem Satz nennen mag, da sie keine Hemmungen haben, um die Wähler*innengunst mit menschenverachtenden, gewaltvollen Sprüchen zu buhlen. Nicht die einzigen Parteien, ich weiß. Doch mir machen sie Angst in Zeiten, in denen jene, die sich kritisch und querdenkend nennen, die Freiheit der Andersdenkenden voller Hass beschneiden wollen, weil sie sich als Mehrheit fühlen. Ich denke, viele von euch, die andere angreifen, ausschließen, diffamieren, haben keine Ahnung, was es bedeutet, in einem Staat zu leben, der Meinungsfreiheit wirklich unterdrückt. Es sind Menschen, die sich niemals in ein Schlauchboot setzen mussten, weil ihr Leben davon abhing. Menschen, die weder Angehörige an Kinderkrankheiten verloren haben noch verfolgt, gefoltert, inhaftiert wurden.

#Checkyourprivilege

Sein Privileg erkennen, wir schwer ist das wohl? Wir alle, die in ihrem gemütlichen Zuhause sitzen, Blogs lesen und bloggen, wir haben nicht den Hauch einer Ahnung, was für ein unglaubliches Glück wir gehabt haben. Das meine ich nicht moralisch, sondern statistisch. Wir könnten auch ganz woanders geboren worden sein.

Ich wünschte mir, man könnte für einen Tag tauschen. Was würde sich wohl ändern? Wie würde die Welt sich ändern, wenn der Bankvorstand mal Flüchtling im Auffanglager, der Macho alleinerziehende Mutter, die blonde Verkäuferin eine schwarze, die gesunde, schöne Influencerin, eine unscheinbare, kranke wäre?

#illusioniert

Ich brauche Mohn zum Montag. Eine neue Woche beginnt.

Regenwald

Während mich das Leben mit seinen gefühlten und tatsächlichen Verpflichtungen fest im Griff hat und ich zwischen Terminen und Aussichten auf Veränderung hin und her eile, mache ich Fotos. Selten, zugegeben. Aber manchmal erscheint mir das als die Flucht, die mich zwingt innezuhalten in einem Moment. Dieser Augenblick, der einfach nur ist, ohne Wertung und Erwartung, gibt mir dann eine kleine Pause.

Und weiter geht’s! Es regnet übrigens. Gerade noch gemerkt.

Auf der Suche nach dem Guten

Gesehen hier: Ostertorviertel
Gesehen hier: Schlachte
Gesehen hier: Böttcherstraße
Gesehen hier: Böttcherstraße
Gesehen hier: Marktplatz Bremen
Gesehen hier: Bürgerweide
Gesehen hier: Hecke Überseestadt
Gesehen hier: Eingangsbereich, bei der Arbeit

Es ist nicht leicht, wenn es viel regnet und kalt ist. Trotzdem trotzten einige des Sprühregens und saßen unter Sonnenschirmen auf Bierbänken, in Cafés mit kunstvollen Cappuccini und im Eingangsbereich von Museen. Ich lief mit Regenjacke und Freundin durch die Straßen, aß Eis und suchte das Gute bei bei politischer Diskussion. Tatsächlich habe ich andere politische Probleme als Corona und das macht es dann trotz aller Anstrengung wieder gut.

Während ich mein Inneres auf diesen Tag vorbereite, hat mein Technonachbar schon den ersten Beat aufgelegt. Was für ein Frühaufsteher!

Ich versuche, meine Augen offen zu halten. Damit ich das Gute auch sehen kann.