Dies werden Erdbeeren

Ich beobachte sie jeden Tag. Wie sie sich strecken und der wenigen Sonne entgegen recken. So einfach, so klar. Kälte im Mai? Kein Problem für diese Erdbeerpflanzen. Sie haben Eis, Schnee und Minusgrade unter dicken Tannenzweigen überlebt. Sie wissen, was ich noch nicht weiß. Bald ist Sommer!

Bürgerlich im Bürgerpark

Ich habe Angst vor der Ruhe in meinem Leben. Auch wenn sie mir nicht missfällt, ist mir dieser Raum fernab von Spritzigkeit und Wankelmut unheimlich.

Ich gehe in den Bürgerpark. Schon wieder. Wo bin ich, wenn ich Blumen fotografiere, immer und immer wieder?

Der Nachbar hört schon wieder extrem laut Musik und im Comic meines Kopfes verarbeite ich ihn zu Hackfleisch. Wo bin ich während ich seine schlechte Popmusik konsumiere anstatt selbst Verursacherin des Lärms zu sein?

Gleich packe ich meine sieben Sachen und fahre zu meinen Eltern, denn es ist Sonntag. Wo bin ich während ich Kuchen esse und Kaffee trinke?

Wo bin ich und wer bin ich heute? Die Frage des Lebens.

Doch ich weiß, in mir lauert noch immer diese irre Katze. Irgendwann springt sie los und schnappt zu.

Sie isst noch ein Stück

ipp

Die vielen Angriffe hält sie nicht gut aus. Sie bringen sie raus. Sie lernt nicht dazu. Wenn andere einen Haken schlagen, einen Purzelbaum machen, die Rechte und die Linke schwingen, sieht sie hin und öffnet ihre Arme.

Alle bieten ihr eine Zigarette an und sie nimmt eine.

Alle bieten ihr ein Stück Pizza an und sie nimmt eines.

Alle wollen verstanden werden und sie versteht.

Wirklich alles. Wirklich alle.

Wenn sie beginnt zu schreiben, hört sie bald wieder auf. Es ist so leicht in wenigen Worten zu sagen, was sie gar nicht im Kopf hat. Gar nicht, ein schöner Ausdruck für was mehr als nicht ist. Sie weiß, was sie könnte. Aber sie macht es gar nicht.

Da geht sie hin, die Bäckertüte in der Hand. Der Regen kommt von vorne. In einem Schwall. Die Hand ist rot. Die Fingernägel sind zu lang. Die Schritte unstet, da stolpert sie. Fällt fast hin. Aber hält sich, sieht auf und grinst.

Recycled aus dem Jahr 2017. Es war Zeit für ein Stück Pizza. In diesem Sinne: Frohen Tanz in den Mai allein vorm Spiegel. Oder durch den sanften Regen der Nacht. Mit der Bäckertüte in der Hand.

Arbeitswege

Arbeitswege sind Wege, die ich nicht gegangen wäre, hätte ich nicht diesen Job gehabt.

Es sind endlose Fußwege, weil ich spontan nach Hause laufen möchte. Vorbei an hässlichen Häusern vor denen knallrote Tulpen blühen. Durch Tunnel in denen Graffitisprayer Philosophie praktiziert haben. Über Plätze über die mich der Wind schiebt.

Heute ist ein kleiner Weg auf dem Grünstreifen im Sonnenschein, der mein Herz erwärmt. Meinen Kaffee erkalten lässt. Mir zehn Minuten erlaubt zu vergessen und einfach glücklich zu sein. Umschwirrt von kleinen weißen Schmetterlingen tanzend im Frühlingssonnenschein. Ja, sowas gibt’s.

Ich mag Arbeitswege nicht immer. Aber manchmal umso mehr.

Den Tatsachen ins Auge sehen

Tulpe, so kenn ich dich ja gar nicht!

Je länger ich hinsehe, desto ruhiger werde ich.

Als wäre die Blüte der Eingang zu einer anderen Welt.

Ich stehe vor ihr und darf mich entscheiden: Soll ich dieses Leben verlassen und eintauchen in die Fremde?

Und sei es nur um mich umzudrehen und zurückzusehen.

Aus der Distanz das Diesseits im neuen Lichte betrachten.

Erst aus der Ferne glänzen die Tatsachen besonders schön.

Vielleicht muss man ihnen nicht immer nur ins Auge sehen.

Ruhe im Haus

Ich ruhe mich aus
Das kann ich nicht glauben
Dass Ruhe und ich
In einer Zeile steh’n

Weil ich doch gar nicht ruhig bin
In mir ein Vulkan
Dessen Lava sprudelt
mit Elan im Wahn

Ich bleibe zu Haus
Das kann ich nicht glauben
Dass Haus und ich
In einer Zeile steh’n

Weil ich gar nicht häuslich bin
In mir das Firmament
Dessen Sterne scheinen
Auf Welten aus Zement

Fünf Minuten Pause

Hab ich mir heute gegönnt. Mich auf eine Wiese fallen lassen, die über und über mit lilanen Blumen bedeckt war. Hab dann kurz darüber nachgedacht, was mein Team, meine Klient*innen, Menschen und Haustiere darüber denken könnten, weil ich mit voller Inbrunst auf der Wiese niedersank. Aber nur sehr kurz. So lang war meine Pause ja doch nicht. Und es ist noch ziemlich kalt.

Der Alltag reißt an meinem Winterpulli

Es ist kalt. Es bleibt kalt. Ich habe Termine. Glücklich ist, wer Termine hat. Zum Glück!

Viele Menschen könnten eine blühende Phantasie haben. Doch manche denken sich die gleichen Geschichten aus und trauen sich nicht, mir davon zu erzählen.

Einer Frau, die Coronakranke betreut, mit Journalist*innen und Politiker*innen befreundet ist und tatsächlich trotzdem eine andere Partei gewählt hat, als die die die* Regierung bilden. Seufz.

Das Leben ist so komplex. Wir sind weit von einer Lösung entfernt. Könnt ihr euch solange bitte alle an Blümlein erfreuen? (Ja, ich weiß, das Klima, aber ich mein ja nur ab und zu zwischendurch.)

*Übrigens. Ist Deutsch nicht manchmal eine ganz famose Sprache. Die die die! Da muss ich doch gleich an den alten Klassiker “Mrs. Robinson” denken. Gleich mal angestimmt “Did Didid Didi, Didid di di Didid di…”

Vom Stress in die Stiefel

Noch atemlos im Wochenende angekommen, aus dem Bett gequält und die Blessuren bejammert, schlüpfte ich nahtlos in meine Wanderstiefel und lernte Nartum kennen. Die Entspannung setzt dann nach dem ersten Schritt ein, denn die nächsten Stunden werden nur damit gefüllt, dass man diese Bewegung wiederholt. Schritt um Schritt um Schritt. Ein bisschen plaudern. Ein bisschen starren. Ein bisschen Fotografie. Und wieder folgt Schritt auf Schritt.

Jetzt bin ich zu müde für Schönschrift. Aber noch wach genug, um einen Tag im Sonnenschein zu teilen.

(Bis auf die Frösche und Schmetterlinge. Die sind einfach zu klein auf den Fotos. Aber sie springen und flattern. Sehr besser selbst.)