Weltfrauentag bei uns!

Ich wurde gefragt und habe ein paar Gründe rausgepickt, warum ein Fokus auf Frauen* immer wieder wichtig ist:

– Weil Frauen überproportional von Gewalt betroffen sind

– Weil Frauen weniger im Radio gespielt werden

– Weil Frauen aufgrund von Familienplanung beruflich benachteiligt werden

– Weil starke Frauen starke Kinder erziehen

– Weil Frauen weniger besitzen

– Weil Frauen weniger nach ihrer Expertise gefragt werden

– Weil Gleichberechtigung auf lange Sicht allen zu Gute kommt

Und viele Gründe mehr.

Alles Gute und viel Kraft, ihr lieben Frauen und Unterstützer*innen!

*Frauen, die sich als solche bezeichnen, sowie LGBTIQ

Warum ich so wenig lese

Die Blogosphäre ist keine Einbahnstraße.

Es gibt so viele gute Bücher.

All die brillanten Zeitungsartikel.

Ich habe nichts gelesen dieser Tage. Nicht einmal, was ich selbst geschrieben habe. Es ist ein Armutszeugnis und doch eher ehrlich als kokett, wenn ich sage, dass ich sogar Schwierigkeiten habe, mein simpelstes Geschreibsel Korrektur zu lesen. Warum das so ist?

Ein Erklärungsversuch:

Wenn ich morgens aufstehe, ist es schon da, das Elend der Menschheit. Ich sehe mich verschlafen um und befinde mich in einem Chaos aus Nachrichten, Sachbüchern und dem Balkongeländer. Wenn Andere vielleicht ihr Morgenritual begehen und ein gesundes Frühstück zelebrieren, denke ich nur, dass ich eigentlich gesünder essen müsste, die Übungen für meinen verkrampften Rücken machen. Es kommt nicht dazu. Auf der Arbeit tröstet mich der Kaffee, wenn ich fast unter dem Berg der existentiellen Nöte begraben werde und mich bemühe, kein Öl ins Feuer zu gießen. Doch ich kann nicht anders, so ist nun mal mein Temperament. Während wir diskutieren, live, am Telefon, online, streiche ich mit der Hand über ein weiteres Buch, das ich mir soeben aus dem Regal gezogen habe. Es klopft an der Tür. “Ich bin im Meeting”, rufe ich schwach. Es klopft erneut. Ich weiß, bald kann es vorbei sein. Dann klopft es nicht mehr. Vielleicht, vielleicht auch nicht. Die nächsten rufen an, es geht ihnen nicht gut. Ich bin da. Denn ich bin immer da. Im Auto, in der Bahn, auf dem Fahrrad und zu Fuß. Vor meiner Wohnung stehe ich beladen mit Einkäufen und habe keinen Schlüssel. Ich weiß nicht, wann und wie und wo sich diese Situation lösen wird. Zwei Tage später gibt es zum Frühstück kleine, harte Sauerkirschen und unraffinierten Rohrzucker zum Kaffee mit Hafermilch. Termine rufen mich, Fragen fordern mich heraus. Nichts ist klar, außer, dass es nicht bleibt wie es ist, dass es nicht wird wie es war. Meine Arme rudern, doch meine Beine stecken fest. Beim Rudern merke ich, dass ich vergessen habe, meine Übungen zu machen. Es klingelt. Ich schlafe ein und wache um 3 Uhr auf, weil die Wände wackeln und jemand springt, schreit und lacht. Mein Kopf platzt. Es klopft. Ich stehe wieder auf. Hole fünf Bücher ins Bett. Streiche zärtlich über die Buchdeckel, öffne sie wahllos und lese die Wörter, die sich mir präsentieren. Finde manches klug, lustig, wahr, aber auch schrecklich, verwirrend und beschließe, dass das zu viel ist. Ich kann in keine andere Welt einsteigen. Meine lässt mich einfach nicht los.

Von Wolken, Möwen und Sehnsucht

Wenn ich dieser Tage meine übliche Runde durch den Park drehe, die Home Office Uhr im Nacken, gelingt es mir selten zu verweilen. Was bleibt ist die große Sehnsucht nach dem Ausbruch aus dem Alltag. Als mich bei grüner Fußgängerampel ein Radfahrer fast über den Haufen fuhr, um anschließend anzuhalten und mir zu erklären, die rote Ampel gälte nicht für ihn, fühlte ich mich erschöpft und erschüttert. Ich war so verletzlich, ich hätte weinen mögen. Mein Energiehaushalt ist fast leer und solche Begegnungen lassen den Pegel mehr und mehr sinken. Da bleibt oft nur noch ein Gedanke:

Bloß raus hier aus der Großstadt und weg von ihren rücksichtslosen Rechthaber*innen! (Von denen ich sicher eine bin.)

Das Hupen, das Drängeln, das Geschrei, das “Eben mal schnell die Vorfahrt nehmen”. Das Martinshorn Tag ein Tag aus. Wo bleibt mein Sinn fürs Blaue, fürs Graue, fürs Grüne?

Gestern konnten mich immerhin die Wolken und Möwen erfreuen. Mich für kurze Zeit vergessen lassen.

Es wird Zeit für Frühling. Die Sehnsucht will es so.

Das lebenshungrige Monster…

Gewollt

… aus dem Managementseminar.

Heute Abend habe ich mir wieder mal ein unaussprechliches Getränk gemacht, das aus Kaffee, Haferkakao, türkischem Schokoladeneis* und Wasser besteht. Das ideale Getränk um über das nachzudenken, was ich neulich gebastelt habe.

Sollte ich mich mit “der Arbeit” beschäftigen? Ja.

Hatte ich das lustige Legosäckchen bereits vor dem Go auseinandergerissen? Ja.

Dachte ich viel mehr an mich als an das Weiterkommen des Unternehmens? Ja.

Freute ich mich wie ein Kind über die bunten Legosteine? Ja.

Sich bei Laune halten, sich ablenken lassen, trotzdem kluge Sätze sagen, Zack, aus dem Kurzzeitgedächtnis heraus! Die Frische und Süße des Lebens weiterhin jagen, quer durch die Beete der profanen Vorgärten der Finanzbeamtenvernunft**.

Ja, das wird es tun, das lebenshungrige Lego-Monster. Nehmt euch in Acht!

Kaffee mit Schokoladeneis repräsentiert doch wahrlich gut meinen Charakter.

*Ich muss an dieser Stelle noch für alle Eisliebhaber*innen betonen, dass es sich bei dem Eis um Maraş Dondurması handelt. Ohne Zweifel des Ausprobierens wert!

** Oh lieber, wilder Finanzbeamter, der Zahlen zum Strahlen und Finanzen zum Tanzen bringt, verzeih mir!

Flower

In my eyes
Green and white
Bright
Alright
Spring came just this night
Makes me wonder
What
Why
When
Planted by a collegue
So kind
I could cry
A Moby song
Thinking of what will be
Wishing
Waiting
This is nice
But not enough
Flower
The beauty of more

Schlossbewohnerin

An sonnigen Tagen mit cremeblauen Himmel und sanften Wellen auf dem Hollersee kann ich nicht anders als mir vorzustellen, ich sei eine Schlossbewohnerin und ginge mit meinem Sonnenschirm durch den endlosen Garten. Ganz in Gedanken, denn auch das Leben im Schloss ist kein Märchen und mich erwarten Aufgaben, die ich mir kaum vorstellen kann aus der Perspektive der Träumerin.

Mich interessiert die Zukunft, doch noch mehr interessiert mich die Vergangenheit. Sie bereisen zu können, all die großen Ereignisse mitzuerleben… Oder einfach nur durch den Urwald zu spazieren, der dieses Land vor langer Zeit fast komplett bedeckte. Hoffentlich nicht von einem Bären attaktiert zu werden…

Manchmal ist der Wunsch so groß, dass es fast schmerzt. Dann merke ich, ich brauche wieder mehr Zeit für meine Fantasie.

Das pure Glück

Krokus und Biene – Es wird Frühling

“Mann, die Vögel!” sagt Amin und zieht sich die Decke über den Kopf.

Sara steht am Fenster, das sie einen Spalt breit geöffnet hat. Kalte Luft strömt langsam ins Zimmer. Der Himmel ist milchig und zeigt ein blasses Lila. Die letzte Dunkelheit liegt noch in der Luft. Sara zieht das Tuch fester, das sie sich um die Schultern geworfen hat.

“Es ist kalt! Jetzt mach doch mal das Fenster zu!” bellt es von hinten. Amin zieht sich die dicke Wolldecke über den Kopf.

Wie in Zeitlupe bewegt Sara ihre Hand. Die Vögel rufen. Laut, klar wie Eis. Ein durchdringender, fröhlicher Ton. Als wäre es Frühling. Im Februar.

Saras Hand schließt das Fenster. So achtsam und zärtlich als sei es ein Säugling, den man nur ganz vorsichtig berühren darf.

“Hörst du nicht das Leben?” flüstert sie. Unter der Decke ist keine Regung zu erkennen.

“Ich bin das Leben”, denkt Sara und fühlt, dass sie allein ist, auf dieser Welt. Allein mit dem Morgen, den Vögeln und sich selbst. Und sie spürt, dass dies Glück ist. Das pure Glück.