Buch Schreiben

ipp

Viele Menschen wollen ein Buch schreiben. So auch ich. Ein Buch schreiben, das ist die anerkannte Form dessen, was ich ständig mache. Was ich machen will, auch wenn mir manchmal Inhalt und Struktur abhanden kommmen – Schreiben.
Wenn mir das Schreiben so leicht fällt, warum schreibe ich dann nicht einfach ein Buch? Wenn mir die Ideen zufliegen, die Worte die Finger bewegen, die einen Kugelschreiber auf Papier drücken, die ein wenig zu fest in den Tasten hauen. So wurde es mir immer wieder gesagt. Weniger ernsthaft, mehr dahin gesagt. Halb beeindruckt, halb beim nächsten Thema. “Du hast so viel Phantasie, du solltest ein Buch schreiben!” Ja, vielleicht sollte ich das.
Doch für mich bedeutet ein Buch schreiben vor allem eines: Disziplin. Was ich unter Disziplin verstehe? Kontinuität, Fokussierung und Fleiß.
Eine Sache beharrlich verfolgen, in guten wie in schlechten Zeiten, bedeutet gegen die Kreativität zu arbeiten. Wenn ich am Schreibtisch sitze und einen Text schreibe, kommen mir viele Ideen, die nichts mit dem zu tun haben, das ich gerade schreibe. Manche sind leicht wie Federn, segeln an mir vorbei, landen auf meinem Arm, kitzeln mich, lassen sich zur Seite pusten. Andere dagegen sind wie Tennisbälle, die auf mich herabprasseln. Die sich nur bändigen lassen, wenn ich sie auffange. Wenn meine Hand den ersten Ball umschließt, frage ich mich plötzlich, ob ich nicht lieber zeichnen möchte, ob es mir nicht ein viel dringlicheres Bedürfnis ist, diese Struktur mit einem Bleistift einzufangen. Was mir nicht gelingen wird. Was früher zu einem Wutausbruch geführt hätte. Was ich heute mit einem Schulterzucken in die Ecke werfe. Denn es kommt schon ein weiterer Ball geflogen. So backe, zeichne, schneidere, stricke, male ich und überlege, wie ich diese oder jene Musik zu einem guten Mix verarbeiten könnte. Meistens schreibe ich. In mein Tagebuch. In Worddokumente. Auf kariertes Papier. Auf einen Kassenzettel. In Reimen. In Stichworten. In Schachtelsätzen. Was ich sehe. Was ich höre. Was mir einfällt und was ausfällt.
Ich kann mich schlecht konzentrieren. Wenn ich diesen Satz schreibe, kommt mir keine Erläuterung in den Sinn. Sondern ein Reim. Er lautet:

Ich kann mich schlecht konzentrieren,
bin unter der Decke am Frieren,
drum kriech ich auf allen Vieren,
um mich vom Frost zu kurieren.

Erübrigt sich meine Erläuterung?

Viele Menschen wollen Anerkennung. So auch ich. Mit Schüttelreimen kann man kein Dinkelmehl bezahlen und bekommt keinen feuchten Händedruck. Glück hat der, der seine Talente wirtschaftlich machen kann. Das klingt bitter und desillusioniert.
Doch draußen scheint die Sonne! Und die Blätter tanzen im warmen Wind. Und die Häuser! Und die Kühe! Welche Kühe? Es wäre schön, wenn welche da wären!

Ich schreibe. Ein Buch? Wir werden sehen.

Advertisements

2 thoughts on “Buch Schreiben

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s