Die Abhängigkeit

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Er lehnt sich zurück in seinem Schreibtischstuhl, der ein Sessel ist. Er hat die Welt gesehen. Er hat nicht nur Volkswirtschaft, sondern auch Philosophie, Jura, Geografie und Romanistik studiert. In Heidelberg, München und Berlin. Er reist. Man kennt ihn. Man schätzt ihn. Seine Vorträge. Seine Expertise. Seine Eloquenz.

Er kennt den Arbeitsmarkt. Es ist nicht leicht einen Job zu finden. Heutzutage. Manche Leute finden keinen Job, weil sie zu viel wissen. Überqualifizierte. Manche Leute können andere Dinge gut. Es kann ja nicht jeder Chef sein. Das ist ja auch nicht schlimm.

Er sagt nicht Nein. So etwas ist unangenehm. Keiner spricht gern die Wahrheit aus. Er erzählt eine Geschichte. Von einem, der es anders macht. Der aufhört. Der trotzdem glücklich wird. Er kann in die Zukunft sehen. In meine Zukunft. Er sieht meine Talente. Eher im praktischen Bereich.

Er fühlt sich nicht angesprochen. Er hat sich nichts vorzuwerfen. Er ist gutmütig. Ehrlich. Er muss nicht mit mir sprechen. Er hat wenig Zeit. Wichtige Termine. Er wird erwartet. Seine Anwesenheit ist von Nöten.

Er weiß, dass ich verstehe. Er sieht mich nicken. Mich bedanken. Seine Hand schütteln. Mich umdrehen. Die Tür leise öffnen. Mich noch einmal umdrehen. Entschuldigend lächeln. Wieder umdrehen. Durch die Tür gehen. Sie sanft hinter mir zuziehen. Er hört das leise Geräusch der Türklinke, die im Schloss einrastet. Die Schritte, die schlurfen. Sich langsam entfernen. Auf dem Flur verhallen. Die Stille.

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