Bewerbung

So ein Körper!

Am Anfang muss man beeindrucken. Das gilt beim Kennenlernen im Privaten und Beruf. Das gilt beim Schreiben. An dieser Stelle gilt es gleich dreifach.
Ich bitte Sie, das kann doch nicht so schwer sein!
Fangen wir mal mit dem Äußeren an. Gutes Aussehen ist wichtig, ohne kommt man heutzutage nicht weit. Statistiken sagen… Ja, Statistiken haben zu allem eine richtige Meinung und sie heranzuziehen, zeugt von Seriosität, aber huch, da sind wir schon bei den Softskills, so fehleranfällig wie Software, so schleimig wie Softeis. Zurück zum Aussehen!
Unsere Musterfrau entspricht dem gängigen Schönheitsideal zu 69%! Jawohl! Die Nase ist nicht nur mitten im Gesicht, sie ist auch nicht zu groß, die Augen stehen nicht weit auseinander und sind blau, blau ist die richtige Augenfarbe, der Mund ist geschwungen, das Kinn hat ein Grübchen und die Haare hängen symmetrisch nach rechts und links. Das ist ein Fehler, zu feminin, aber es ist attraktiv.
Aber wenn Sie glauben, dass sie allein damit durchkommen kann, dann sind Sie nicht von dieser Welt! Die Nase ist natürlich mit beiger Creme bedeckt, Make-up nennt man das. Make-up, mach dich auf, Frau! Die Wimpern sind gekrümmt und geschwärzt, so öffnen sich die Augen, und dem klaren Blick steht nichts mehr im Weg. Pardon, dem verklärten Blick.
Aber der Körper! Dieser Körper. Ein Körper. Jeder Körper. Körper, der sich weigert, Form zu sein, der sich sträubt abstrakt zu sein und so unförmig und konkret Präsenz im (Meeting)-Raum einnimmt, dass er kaum mit dem schwarzen, seriösen Stoff gebändigt werden kann. Sie hat sich bemüht, das sieht man, hat fast alles richtig gemacht. Die dunkle Bluse ist hochgeschlossen, der passende Blazer presst Unförmigkeit in die gewünschte Form. Aber warum um Himmels Willen hat sie einen Rock gewählt, der über den Knien endet? Was hat sie sich bloß dabei gedacht? Ja, hat sie denn noch nie ein Bewerbungshandbuch gelesen? Wie soll sich der weiße, männliche, erfolgreiche Stereotyp gegenüber auf die oberflächlichen Inhalte konzentrieren, wenn er weiß, dass die potenzielle Verfügungsmasse namens Mitarbeiter/in so etwas Unanständiges wie Beine besitzt? Da sind Sie sicher ganz meiner Meinung, die gehören nun wirklich nicht hierher! Wozu braucht sie denn die Beine?

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3 thoughts on “Bewerbung

  1. Reblogged this on Das Eigene und das Andere and commented:
    Bewerben: Wenn das Andere, das Eigene sein soll.
    Zum Anfang der Woche ein Reblog, da ich wenig Zeit zum Schreiben hatte. Der nächste Artikel ist aber bereits in Arbeit! Herzliche Grüße aus dem Home Office an alle die lesen, schreiben und aufmerksam in die Welt sehen!

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