Keine gute Freundin

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Bin ich wirklich keine gute Freundin?

Ich höre die Pet Shop Boys singen: „I bought you drinks, I bought you flowers, I read your books and talked for hours”.
So war es!
Ich weiß nicht mehr, wie oft ich dir Geld gab. Zugegeben, ich gab es dir ungern, aber nicht, weil ich geizig war, sondern weil ich mich um dich sorgte.
„What have I done to deserve this?“ In diesem Lied geht es wohl nicht um Freundschaft, es geht um Paarprobleme. Das ist es doch, was alle interessiert, das bringt sie zum Leiden. Freunde sind nicht mehr wichtig heute. Wer hat schon richtige Freunde? Das sind doch nur noch oberflächliche Bekannte, wer würde sich wie in Schillers „Die Bürgschaft“ für seinen Freund aufopfern? Ich? Wohl nicht.

Bin ich wirklich keine gute Freundin?

Wenn ich offen und ehrlich bin und sage, was ich für dich fühle, dann ist es wohl Liebe. Ich bin nicht in dich verliebt, im herkömmlichen Sinne, keine Verknalltheit, kein Herzchengekritzel mit dem Kugelschreiber beim Telefonieren, keine SMS vorm Einschlafen. Es gab Wochen, in denen wir uns nicht sahen, aber auch diese, in denen wir jeden Tag telefonierten, uns jeden Tag mehrmals trafen, morgens nach dem Aufstehen, abends bis spät in der Nacht, rauchend, diskutierend oder auch schweigend, nur du und ich. Es waren gute Zeiten.

Was ist es jetzt, das zwischen uns steht? Das meinen Daumen, deinen Anruf wegdrücken lässt. Das mich hoffen lässt, dir im Bus nicht zu begegnen. Das mich umkehren lässt, wenn ich dich von Weitem sehe. Was ist denn los? Hast du mich gefragt. Am Telefon. Im Brief. An der Straßenecke abgefangen. Ich wich dir aus. Spielte die Überraschte. Als wüsste ich nicht, wovon du sprichst. Dabei wusste ich genau, was war. Ich wollte es dir nicht sagen. Jetzt ist es zu spät. Dieser Riss lässt sich nicht mehr kitten. Es ist aus. Zurück bleiben Fetzen verdrängter Erinnerung. Träume in der Nacht, aus denen ich schweißgebadet erwache. Ein klopfendes Herz und eine trockene Zunge in einem muffigen Bett. Orientierungslos. Voller Angst. Ich liege einen Moment wach, atme die kalte Nachtluft ein und frage mich, ob du inzwischen weißt, warum.

Ich bin keine gute Freundin. Ich kann es dir nicht sagen.

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10 thoughts on “Keine gute Freundin

  1. Hm… das alles wirft die Frage auf, wie sich Freundschaft definiert… außerdem glaube ich, dass Freundschaft weit aus mehr aushält, als jede andere zwischenmenschliche Beziehung, auch wenn es Durststrecken gibt… oft braucht es nur Zeit und ein klärendes Gespräch, wenn die Zeit reif ist. Und Ehrlichkeit in den Dingen, die man sagen kann.

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    • Ja, das habe ich auch lange gedacht und bin dann von mir selbst überrascht worden, wie ich nicht mehr sprechen wollte. Ich stimme dir zu, was die Zeit betrifft. Vielleicht dauert es manchmal eine Weile bis man über Dinge sprechen kann.

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