Im Frozen-Yoghurt-Café

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In der Mittagshitze bin ich ganz Touristin. Ich setze mich nicht zu den Einheimischen. Ich konsumiere einen Frozen-Yoghurt im Pappbecher mit viel Soße. Der Tisch ist ungemütlich, doch draußen und daher mitten in dem Leben, an dem ich teilhaben will. Ich beobachte einen Mann mit Horrorjob. Er steht gegenüber. “Restaurante Cubano – Los ricos momentos” sagt er fortfahrend zu den Passanten und macht nur Pause, wenn jemand mit ihm plaudert. Er hat ein Schild umgehängt, auf dem schlechte Fotos von Pommes, Bocadillos und Cocktails abgebildet sind. Seit ich hier sitze und die trendige Eiscreme löffele, hat er noch niemanden ins Restaurant locken können. Dennoch ist er fröhlich. Geradezu ausgelassen. Seine Freunde begrüßt er lautstark, manche umarmt er. Dann unterhalten sie sich über das Geschäft. Ja, ja, das lief auch schon mal besser, und bei dir? Ja, das sind die Zeiten. Die Wirtschaft! Adiós! Nos vemos. Weg sind sie. Und wieder: “Restaurante Cubano! Los ricos momentos!”. Die Cocktails auf dem Schild haben die Farben rosa, orange und grün. Die Pommes wirken fettig. Die Bocadillos schlecht belegt. Beinah stößt der Restaurantschreier mit einem eiligen Geschäftsmann zusammen. Er springt zackig zurück, lacht und entdeckt mich. Winkt mir zu. Ich winke schwach zurück und löffele weiter. Frage mich, ob ich ins Restaurante Cubano gehen sollte. Aus Sympathie. Ich entscheide mich dagegen. Mein Magen ist voller Softeis.

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