Hintertür 

Ich machte mich gestern auf zu einem sehr deutschen und korrekten Ort um meiner Bürgerpflicht nachzugehen. Es hatte geregnet, doch wurde langsam heller und ich hatte unter einem Vordach des ehrwürdigen Gebäudes Platz gefunden. Während ich noch telefonierte beäugte mich ein Pförtner, doch ich ließ mich nicht von meinem trockenen Fleck vertreiben, verschwand tiefer in meiner Kaputze. Als ich schließlich die Eingangstür öffnete, war er verschwunden und ich befand mich allein in einem Vorraum. Altes Holz drängte sich von rechts und links auf, Informationsmaterial war nicht vorhanden. Ich wartete ein Weilchen. Dann betätigte ich die schwere hölzerne Drehtür und stand in einem verlassenen Raum vor einer Wendeltreppe. Durch alte Glasfenster im Turm konnte ich auf den Innenhof sehen. Licht fiel herein und zeichnete goldene Muster. Magisch aus einer anderen Zeit.

Ja, ich wusste schon früh, dass ich falsch gegangen war. Dass dieses nicht der Eingang zur Behörde sein konnte. Aber ich trat trotzdem ein. Blieb stehen und starrte die Treppe an. Widerstand der Verlockung, die Stufen zu erklimmen. Eine Person kam und führte mich durch lange Gänge und Türen dorthin, wo ich hingehörte. Zu den anderen Bürgern.

Das Leben bringt einen meistens zurück auf die Schienen. Dabei sind wir gar keine Züge.

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