After Dinner

A photo series shot by a restless eye.

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Schreien Wollen

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Der saubere Ekel, den ich empfinde,
ist nur natürlich, wenn ich schreibe.

Absurdistan,
auch wenn ich dich nie,
mit seinen Augen sah,
weiß ich genau,
die Gewalt ist hier,
die Gewalt ist da,
wo Menschen sich Menschlichkeit auf Fahnen schrieben,
bist du auf der Strecke geblieben,
als Rastplatz der Grausamkeit,
aus einer anderen Zeit,
und als mir das Blut so warm am Kinn herunterrinnt,
Stirbt im Niemandsland ein Kind.

Jetzt ist es still in diesem Raum,
die Tasten klappern leise,
Schreie hört man nicht,
wenn man sie schreibt.

Frau Mond fährt los

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Früher oder später spuckt einen das Loch wieder aus, in das man gefallen ist. Dann kommen einem plötzlich Ideen, die man lange abgetan hatte und Träume lassen sich mit Worten benennen. Vielleicht an einem Tag im Spätsommer an dem sich die Blätter vor Hitze golden kräuseln. Einem Tag, an dem weiße Schäfchen unschuldig am blauen Himmel grasen. Einem Tag, an dem das Telefon schweigt.

Es war so ein Tag, an dem Luna vom Sofa aufstand und ihr rostiges Fahrrad aufschloss. Der lange Sommerregen hatte ihm zugesetzt und der Schlüssel wollte sich zunächst nicht umdrehen lassen. Während sie an dem Eisenschloss rüttelte, zog sie die Blicke der Passanten auf sich. Ängstliche Übermütter mit sauberen Kleinkindern, Anzugträgermänner und Sonnenbrillenteenager musterten sie mit verstohlenem Interesse. Sie sahen eine Frau, die sich etwas nahm, das ihr gehört, waren aber noch nicht bereit gänzlich zu akzeptieren, dass dies seine Richtigkeit hatte. Wer sich energisch etwas anzueignen versucht, wird oft hinterfragt, wenn er nicht eine überbordende Selbstverständlichkeit an den Tag legt. Doch Luna war ins Leben katapultiert worden und sie hatte beschlossen, die Herausforderung anzunehmen. Mit ein wenig Spucke brachte sie das eingerostete Schloss zur Räson und der Schlüssel ließ sich herum drehen. Sie schwang sich auf den harten Sattel und drückt die rechte Pedale herunter.

Dann fuhr Luna los. Sie wusste nicht, wohin, genauso wenig wie dieser Text. Doch der Weg war das Ziel und jede Bewegung Mittel zum Zweck. Und ihre Haare wehten noch lange im Wind als die Sonne vom ersten Herbststurm abgelöst worden war. Vielleicht bis zum nächsten Schlagloch. Oder darüber hinaus.

Mein Stadtleben

Da hat man zu tun und tut doch recht wenig. Medienverdrossen und schreibfaul. Blind den edlen Motiven gegenüber. Ab und zu hält man noch drauf. Viel Arbeit führt zum großen Warten. Auf die Zeit danach, die niemals eintritt. Urlaub muss im Herzen beginnen. Sogar in Gießen und zwischen Containern.

Nicht so gründlich

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Irgendwo in Deutschland sitzt eine Frau auf dem Balkon. Ihr blauer Plastikstuhl hat weiße Dehnungsstreifen, wenn sie ihren Fuß gegen die grün angelaufene Brüstung drückt. Ihr unbeteiligter Blick wandert über die verwelkenden Blumen, die einer Reihe von Unkräutern Platz gemacht haben. Wo Frühlingsblumen verblühen, strecken sich Gräser gen Himmel. Ihr sezierender Blick wandert weiter zu ihrem großen Zeh, der nicht gepflegt wie in der Werbung sondern als schrumpeliger, meist unbeachteter Körperteil mit grauen Flecken von ihrem Fuß absteht. Gerade hatte er sich noch mit seinen Nachbarn durch den Dreck bewegt. Rhythmisch abrollend in der Symphonie eines gesundes Fußes. Dirigiert von einer mittelmäßigen Dirigentin. Der Körper, ein gespieltes Lied. Jetzt auf einem Balkon.

Auf dem Boden liegt Dreck. Auf den ersten Blick. Auf den zweiten zeigt sich eine Mischung aus Staub, Zigarettenasche, toten Fliegen und den verwelkenden Blüten vergangener Jahre. Sie ist keine unordentliche Frau, finde ich. Sie hat immer wieder mal gefegt. Nur eben nicht so gründlich.

Sind tote Fliegen ekelig?

Die Sonne lässt noch auf sich warten. Vielleicht wird sie den Balkon nie erreichen, weil er dem Schatten der umliegenden Häuser verpflichtet ist. Vielleicht gibt es nachher einen Lichtreflex wie ein Schwert, der sich in den Fenstern bricht und der Frau geradewegs ins Gesicht scheint. Falls sie dann noch auf dem Balkon sitzt. Ich persönlich glaube es nicht. Diese Frau hat nicht so viel Geduld.

Somebody happy 


We just need somebody happy around. We are not hopeless. Not lost. We are visible in the pale light of a german rainy day, we are not hiding in the dark of the clouds. 
When we go out, we are on a good way in a good way. This is how it should be. Meeting people. Sharing opinions, chips, sweets.

We could eat strawberries forever. We are not. But we are trying hard.

Somebody happy around? Maybe it would be contagious.