Verehrte Leser*innen, heute ist der Übergang

Ein Spaziergang durch den Park, ein Moment, den man allein verbringt und doch mit vielen anderen Spaziergänger*innen teilt. Fuß vor Fuß. Den Blick gesenkt oder unstet streifend. Heute keine Gespräche mit Unbekannten. Die Feierlichkeiten von gestern sind Geschichte geworden. Das Neue ist noch nicht wirklich zu fassen. Der 1. Januar ist ein Schwebezustand, ein Zwischenraum. Die Kälte passt gut zu ihm. Sie verdeutlicht, dass jetzt etwas Anderes kommt. So will es die Kultur.

Verehrte Leser*innen, wenn Sie noch im Gestern verharren und ob des Morgens bangen, gehen Sie einmal raus! In die Schleuse des 1. Januar.

Im Moor

Hin und wieder kommt es vor

Und man findet mich im Moor

Da geh ich lang auf geraden Wegen

Und muss nicht ständig überlegen

Im Hasbruch bei den Eichen

1000 Jahre Baum sein. Im Wald. Muss einen doch weise werden lassen.
All die Zeiten vorübergehen zu sehen und zu spüren, dass alles relativ ist.

Oder nichts.

Im Uhrwerk des Lebens, das noch keiner je verstanden hat.

1000 Jahre sein. Machen nicht weise. Aber doch etwas älter.

Schön ist’s beim Baum zu sein.

Bunt und Launisch

Beim Spazieren mal wieder gezwungen gewesen, stehen zu bleiben. So unbändig der Wunsch, Sonne auf Regen, Gold auf Grau, Himmel auf Erde festzuhalten. Genießt man mehr oder weniger durch die Kunst?
Verliert oder konserviert man den Moment?
Ich habe keine Antwort auf diese Fragen. Muss es wohl nochmal probieren.

Brombeerglück

Rotblauverschmiert im Sonnenschein. Schwarze, süße Früchte im stacheligen Busch, die dort wachsen für sich selbst. Am prächtigsten dort, wo sie niemand erreichen kann. Welche Wonne, sie zu sehen und zu wissen, dass man sie niemals essen wird. Die Sehnsucht bleibt. Die besten Dinge im Leben kosten kein Geld, nur ein paar Dornen im Zeigefinger. Dieses Jahr zum letzten Mal auf der Wiese vor Dornröschens Schloss. Nächstes Jahr gibt es Reihenhäuser. Vielleicht pflanzt ja jemand einen Brombeerstrauch in seinen Garten.