Sturmereprobt

Wir haben schon alles gesehen

Uns doch nie fortbewegt

Wir können den Wind verstehen

Der durch unsre Äste fegt

Besucht uns das Wasser im Sturm

Bringt es so manches Stück

Spült es um unseren Turm

Und trägt es wieder zurück

Schweigende Zeugen am Deich

Bei Tage und bei Nacht

Wir sind einander gleich

Wer hätte das gedacht

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Some End

At the end of the world

I spent five minutes

Before I took a picture and

Went back to being perfectly

Normal

In my interesting life

Bücher

Sind in auf unter meinem Regal

Sind aufregend beruhigend

Sind endlich unendlich

Sind befriedigend traurig

Sind fröhlicher am fröhlichsten

Sind trügerisch ehrlich

Sind für alle

Sind

Die Guten

Do you understand, حبیبی?

Ich möchte darüber schreiben. I want to explain it to you. Aber mir fehlen die Worte. Do you understand? Habibi. Da, wo wir uns verloren haben, sprachen wir schon lange eine Fremdsprache. Wir wussten nicht mehr, was Wörter bedeuten. Y tú no entiendes el dolor que me hacen. Like a knife cutting my heart out.

Kannst du bitte die Tür schließen?

Fragte er. Und in mir verschlossen sich Türen, deren Schlüssel er nie wieder finden würde.

Es wurde nicht leichter mit der Zeit. Sondern schwieriger. Je mehr gemeinsame Worte wir hatten, desto präziser konnten wir uns verletzen. Niemand nahm sich die Zeit zu übersetzen. Denn eine Sprache verlernten wir mit jedem Tag mehr.

I am still talking.

To you.

And you are still not talking.

To me.

So können wir weitermachen.

In allen unseren Sprachen.

Janam.

Kaffeeliebe

An trüben Morgen, die Kleidung hastig übergeworfen, die Haare energisch gebürstet, auf dem Rad über rote Ampeln gehetzt, die Tür zum Büro rumpelnd aufgestoßen, die Tasche in die Ecke gepfeffert, bist du mein erster Moment der Ruhe.

Am Bahnhof mit dem Rücken zum Geländer, fröstelnd im eisigen Nordwind, fast verbrannte Handflächen, die sich abwechselnd tief in die Manteltaschen graben, ein Schauer, der vibrierend durch den Körper fährt, du bist mein Vertrauter, mein treuer Begleiter.

Wenn wir lachen, lästern, labern, laut und leise, sarkastisch, ironisch und immer wieder voller Begeisterung, weinen, uns Taschentücher reichen in plüschigen Hipstersesseln versinken, bist du in unserem Bunde der Dritte.

Und wieder sind alle zusammen gekommen um sie zu feiern, eine Alltagskultur aus Brötchen mit Marmelade und Knuspermüsli, Butterkuchen und Käse-Sahne-Schnitten, Obstplundern und Nussecken, mit Milch und Zucker, dein Geruch ist meine Kindheit, meine Jugend, mein Versuch eines Erwachsenseins.

Kaffee.

Gedichte dürfen alles – Eine Liebeserklärung

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Warum liebe ich Gedichte?
Mehr schreiben als lesen,
mehr aufsagen als lernen?

Gedichte sind freier als der Wind, der oft nur aus einer Richtung blasen kann. Sie kennen Grammatik, doch sie brauchen Sie nicht. Sie sprechen unsere Sprache, doch auch viele andere. Jede Zeile ist eine neue Entscheidung, der Beginn von etwas ganz Großem oder belanglos klein. Vornehm oder rotzig kommen Sie daher.

„Darf ich Sie bitten, völlig losgelöst herauszulassen, was Ihre Gedankenwelt sprengt?“

„Schreib, du Arschloch, schreib die Strukturen ein! Schreib die Gesellschaft klein! Frei musst du sein!“

Das Gedicht als Form für die Spinner sich zu verwirklichen und der großen, ganzen Weltorganisation nicht auf den Sack zu gehen. Fäkalsprache oder Schönschrift, alles gratis. Wählen Sie ihre Gefühle aus einem reichen Angebot.
Gezähmter Mensch aus dem Land der tausend Gesetze braucht eine Erlaubnis, um frei zu sein.

Doch als eine von ihnen, den Irren und Wirren, die sich an dem, das da ist abarbeiten, bis sie erschöpft zusammenbrechen, kann ich nur jauchzen und frohlocken, wenn ich reime und schreibe und weine, zusammensetze und tausche, von oben nach unten, von rechts nach links:

Dichten muss ich,
Dichten,
Ich brauche keine Geschichten
Ich brauche keine Worte,
Keine Orte, keine Zeit,
Ein neuer Stift,
Kein neues Kleid
Egal, was kommt
Ich bin bereit
Frei
Wofür
Alles
A B c
1 2 3
🙂

Gedichte dürfen alles?
Gedichte können alles!
Darum liebe ich sie.

Rausgepresst

Aus meiner Mitte entspringt ein Schmerz,

Der sich sprudelnd laut ergießt,

Den Staub von meinem Körper spült,

Die Starre je beenden lässt,

Und mein Sein erinnern soll,

Was sich heute Leben nennt.

(Die geschätzte Leserin, der vorzügliche Leser mögen mir meine winterlichen Impressionen an diesem Tag im Mai verzeihen. Der Kunst hat immer Recht.)

Streit

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Streit ist nicht wie Gewitter. So kraftvoll und klar, so eindeutig, unmissverständlich. Sodass man weiß, woran man ist. Wenn dann die Ströme des Regens einsetzen, sind sie nicht wie Tränen. Nichts unterdrückt sie, niemand hält sie auf, wenn sie die Straßen und Wiesen, Häuser und Kühe herunterrinnen, bis der Wind sie versiegen lässt und die Wolken von dannen scheucht. Die Sonne ist kein Taschentuch, sie trocknet nicht nur die Oberfläche, sondern wärmt bis in Glieder und Wurzeln. Jeder Strahl eine Urkraft, jeder Schatten eine Zuflucht. Fliehen und endlich ankommen.

Ich wünschte Streit wäre wie Gewitter.