Währenddessen

Währenddessen sitzen irgendwo zwei Menschen auf einem Sofa und entspannen sich. Sie haben gerade zu Abend gegessen. Spaghetti mit Soße, weil es heute schnell gehen sollte, aber trotzdem lecker sein. Jetzt sind sie satt, haben den Fernseher angestellt und sehen das Abendprogramm Nicht sehr konzentriert, weil sie sich lebendig unterhalten. Wenn du die Ohren spitzt, kannst du verstehen, wie sie die Sendung ironisch kommentieren, die Sprecher imitieren, aber meistens wirst du bei dem prasselnden Regen nur ihr Gelächter anschwellen und wieder verebben hören.

Ja, dieser Regen, der zieht einem durch Mark und Bein. Die Jacke liegt schon wie ein Sack klatschnass auf meinen Schultern. An der Vorderseite laufen Bächlein herab. Ist angeblich wasserabweisend, die Jacke. Stattdessen friere ich, meine Muskeln sind kalt, mein Körper starr und unbeweglich. Ein vorsichtiger Versuch, den Arm zu bewegen ist noch von Erfolg gekrönt als ich mir die nassen Haare aus dem Gesicht wische, doch meine Beine bewegen sich nicht. So muss ich wohl hier stehen bleiben. Aber das ist nicht so schlimm. Ich lehne mich einfach zurück an die Wand zu der ich mit dem Rücken stehe und denke an das, was währenddessen wohl geschieht.

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Alles in Ordnung mit Ihnen?

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Es herrscht die Ruhe eines kalten, winterlichen Sonntags, der die Welt erstarren und Menschen, die sonst schlendern, vorüberhuschen lässt. Als kleine schwarze Gestalt, die sich eine Mütze bis kurz über die Augen und einen Schal bis kurz unter jene gezogen hat, stapfe ich über die reifbedeckten, unberührten Wege. Die Welt steht still und alles erscheint mir fern.

Ich weiß nicht, ob ich gläubig bin. Aber ich glaube Vieles. Dass die Politik Frauen misstraut, die sich ihr Gesicht verhüllen, so wie mir? Dass die kalte Gesellschaft an ihren Kaminen sitzt und sich die Hände wärmt, hinter verschlossenen Türen. Dass der Konsum nur von Weitem süß ist und golden glitzert. Dass die Nachbarin sich gestern wieder über den Lärm der Musik beschwert hat. Ich gehe schnell und die Sohlen meiner Stiefel finden kaum Halt auf dem glatten Boden. Ich rutsche, schlittere, strauchle, verliere das Gleichgewicht, fange mich wieder und falle nicht. Gerade noch mal gut gegangen! Ich muss an den Sommer zurückdenken, das grüne Laubdach über mir, die laue Luft, an den Moment als ich beim Joggen im Park stolperte, stürzte und unter Tränen des Schmerzes im alten Laub am Wegesrand niedersank. Wie etwas in mir wuchs, mit jeder Person, die schweigend an mir vorüber ging, radelte oder rannte. Meine Tränen wurden stärker und lautlos in die Büsche starrend konnte ich nicht mehr unterdrücken, was mein Herz zuschnürte: die tiefe, archaische Einsamkeit.

Doch nach fünfzehn Minuten eine Andere. Die Erlöserin. Sie hatte braune Haare und war etwa 40 Jahre alt, trug ein perfektes Joggingoutfit in Neonfarben und riss sich mit einer schnellen Bewegung einen Kopfhörer aus dem Ohr. Dann sprach sie die magischen Worte, griff mir unter den Arm und half meinem dreckverschmierten, kraftlosen Ego wieder auf die Beine. Nach einer Minute und ein paar warmen Worten und Beteuerungen meinerseits, es würde schon wieder gehen, joggte sie weiter und ich humpelte zur nächsten Bank, auf die ich mich setzte und atmete.

Ich weiß nicht, ob ich gläubig bin. Aber ich glaube Vieles. Dass Politik sich immer wieder hinterfragt und erneuert auf dem steinigen Weg zur Umsetzung der Menschenrechte. Dass es Frieden gibt, den ich fühle, wenn ich mich aufmache, um zur Kirche zu gehen. Dass immer eine Kerze in der Dunkelheit leuchtet, deren Flamme selbstverloren tanzt. Dass es eine Frau gibt, die mit offenen Augen durch den Park läuft und einer Gestürzten auf die Beine hilft.

Die Einsamkeit ist real. Doch solange ich etwas glauben kann, ist alles in Ordnung mit mir.

 

 

Gedichte dürfen alles – Eine Liebeserklärung

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Warum liebe ich Gedichte?
Mehr schreiben als lesen,
mehr aufsagen als lernen?

Gedichte sind freier als der Wind, der oft nur aus einer Richtung blasen kann. Sie kennen Grammatik, doch sie brauchen Sie nicht. Sie sprechen unsere Sprache, doch auch viele andere. Jede Zeile ist eine neue Entscheidung, der Beginn von etwas ganz Großem oder belanglos klein. Vornehm oder rotzig kommen Sie daher.

„Darf ich Sie bitten, völlig losgelöst herauszulassen, was Ihre Gedankenwelt sprengt?“

„Schreib, du Arschloch, schreib die Strukturen ein! Schreib die Gesellschaft klein! Frei musst du sein!“

Das Gedicht als Form für die Spinner sich zu verwirklichen und der großen, ganzen Weltorganisation nicht auf den Sack zu gehen. Fäkalsprache oder Schönschrift, alles gratis. Wählen Sie ihre Gefühle aus einem reichen Angebot.
Gezähmter Mensch aus dem Land der tausend Gesetze braucht eine Erlaubnis, um frei zu sein.

Doch als eine von ihnen, den Irren und Wirren, die sich an dem, das da ist abarbeiten, bis sie erschöpft zusammenbrechen, kann ich nur jauchzen und frohlocken, wenn ich reime und schreibe und weine, zusammensetze und tausche, von oben nach unten, von rechts nach links:

Dichten muss ich,
Dichten,
Ich brauche keine Geschichten
Ich brauche keine Worte,
Keine Orte, keine Zeit,
Ein neuer Stift,
Kein neues Kleid
Egal, was kommt
Ich bin bereit
Frei
Wofür
Alles
A B c
1 2 3
🙂

Gedichte dürfen alles?
Gedichte können alles!
Darum liebe ich sie.

Eine gepflegte Frau

ipp

Er ist weg. Wie es mir jetzt geht? Ich weiß es nicht. Ich muss wohl lernen mir selbst genug zu sein. Was das bedeutet? Ich weiß es nicht. Ich weiß nicht so viel. Er war immer da. Er wusste immer viel. Wir… Sind… Waren… Siebzehn Jahre verheiratet und das ist eine lange Zeit, nein, keine Kinder! Ich wollte… doch… Es hat nicht geklappt. Ihm war es auch nicht so wichtig. Das Wichtigste war sein Beruf. Er ist… Er ist… Er ist unglaublich… Er ist unglaublich gut. Er ist unglaublich schlau. Gebildet. Zielstrebig. Er musste es tun. Und er brauchte jemanden, der ihm den Rücken frei hält. Er brauchte mich. Er ist nicht schuld. Er war nicht gemein. Er hat mich nicht verlassen, aber… Wir haben uns halt getrennt. So eine Trennung kann passieren. So eine Trennung kommt überall mal vor. Wenn Sie mich jetzt fragen, ob ich bereue… dann… mmh… Sie sehen, ich zögere. Aber nein! Ich bereue es nicht. Es waren wunderschöne siebzehn Jahre. Voller Lachen. Voller Freude. Am Ende… Ja, am Ende waren das Lachen und die Freude nicht mehr da. Ich bin ihm langweilig geworden. Und das wundert mich nicht. Ich bin mir selbst langweilig geworden. Ich sehe in den Spiegel und sehe eine Frau, die sich pflegt. Eine gepflegte Frau, die sich schminkt. Die ihre Falten bemalt. Die ihr Lächeln studiert. Die ein Haus hat, in dem sie… kocht… putzt, telefoniert, Freundinnen empfängt. Ja, ich habe es geschafft, Freundinnen zu finden. Es fiel mir nicht leicht. Er sprach Englisch viel besser als ich. Ich hatte zwar keine Arbeitserlaubnis… doch…ich war eigentlich ganz froh darüber. Ich war eigentlich ganz froh darüber. Ich hatte studiert, sicher. Abschluss mit 1,5. Aber ich wusste es immer. Ich wollte mit ihm zusammen sein. Im Ausland arbeiten? Eine Stimme in mir wollte es. Sie sagte sowas wie: „Du kannst es auch schaffen!“ Doch da war auch die andere Stimme, die sagte: „Nein, mach es euch zu Hause nett.“ Er verdiente ja. Er verdiente gut. Er verdiente immer besser. Wie hätten uns eine Putzhilfe leisten können… Aber warum?
Der Hund ist letzten Sommer gestorben. Wir waren beide sehr traurig. Wir hatten ihn doch seit er ein Welpe gewesen war. Aber es ist wohl besser so. Denn, wer hätte den Hund nehmen sollen? Einer muss doch den Hund nehmen!

Sie schluchzt.

Entschuldigen Sie bitte! So ein… So ein absurder Gedanke! Absurd! Der Hund ist ja tot.
Wissen Sie, wie alt ich bin? Achtundvierzig…
Ja, was macht man mit 48 in einem Land, in das man nur gegangen ist für die Karriere des Mannes? Des Ehemannes. Das klingt nach dem 50er Jahren, aber wir haben 2015! Es ist 2015 und ich weiß nicht, was ich machen soll. Ich kenne die Zahlen auf meinem Rentenbescheid. Ich bekomme vielleicht 350 Euro Rente… Ja, ich weiß. Er wird mich irgendwie unterstützen, aber… aber ich bin ja… aber ich bin ja noch keine Rentnerin! Was ich studiert habe? Biologie. Ich habe studiert und danach promoviert. Jetzt sehen Sie mich nicht ungläubig an! Ich bin nicht so blöd wie Sie denken! Entschuldigung. Entschuldigen Sie. Das ist mir so rausgerutscht. Aber manchmal hatte ich das Gefühl, die Leute sehen mich so an. Nur weil ich zu Hause bin. Hausfrau bin. Die Frauen, die arbeiten, meine ich. Es gibt nicht mehr so viele von uns. Frauen, die zu Hause sind.
Es ist schon seltsam. Alle träumen von der großen Liebe. Für die man bis ans Ende der Welt geht. Doch wenn man es dann tut, sehen sie einen schief von der Seite an.
Ich weiß gar nicht, was ich Ihnen noch erzählen soll! Ich finde dieses Gespräch so…nichtssagend.

Sie schweigt.

Wie in den letzten Jahren mit meinem Mann. Er war müde. So müde.

Sie schweigt.

Frau Müller, vielen Dank, aber ihre Zeit ist um!

Sie steht auf.

Oh, wirklich? Dann vielen Dank. Schönen Tag Ihnen, Doktor.

Frau Mond fährt los

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Früher oder später spuckt einen das Loch wieder aus, in das man gefallen ist. Dann kommen einem plötzlich Ideen, die man lange abgetan hatte und Träume lassen sich mit Worten benennen. Vielleicht an einem Tag im Spätsommer an dem sich die Blätter vor Hitze golden kräuseln. Einem Tag, an dem weiße Schäfchen unschuldig am blauen Himmel grasen. Einem Tag, an dem das Telefon schweigt.

Es war so ein Tag, an dem Luna vom Sofa aufstand und ihr rostiges Fahrrad aufschloss. Der lange Sommerregen hatte ihm zugesetzt und der Schlüssel wollte sich zunächst nicht umdrehen lassen. Während sie an dem Eisenschloss rüttelte, zog sie die Blicke der Passanten auf sich. Ängstliche Übermütter mit sauberen Kleinkindern, Anzugträgermänner und Sonnenbrillenteenager musterten sie mit verstohlenem Interesse. Sie sahen eine Frau, die sich etwas nahm, das ihr gehört, waren aber noch nicht bereit gänzlich zu akzeptieren, dass dies seine Richtigkeit hatte. Wer sich energisch etwas anzueignen versucht, wird oft hinterfragt, wenn er nicht eine überbordende Selbstverständlichkeit an den Tag legt. Doch Luna war ins Leben katapultiert worden und sie hatte beschlossen, die Herausforderung anzunehmen. Mit ein wenig Spucke brachte sie das eingerostete Schloss zur Räson und der Schlüssel ließ sich herum drehen. Sie schwang sich auf den harten Sattel und drückt die rechte Pedale herunter.

Dann fuhr Luna los. Sie wusste nicht, wohin, genauso wenig wie dieser Text. Doch der Weg war das Ziel und jede Bewegung Mittel zum Zweck. Und ihre Haare wehten noch lange im Wind als die Sonne vom ersten Herbststurm abgelöst worden war. Vielleicht bis zum nächsten Schlagloch. Oder darüber hinaus.

Nicht so gründlich

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Irgendwo in Deutschland sitzt eine Frau auf dem Balkon. Ihr blauer Plastikstuhl hat weiße Dehnungsstreifen, wenn sie ihren Fuß gegen die grün angelaufene Brüstung drückt. Ihr unbeteiligter Blick wandert über die verwelkenden Blumen, die einer Reihe von Unkräutern Platz gemacht haben. Wo Frühlingsblumen verblühen, strecken sich Gräser gen Himmel. Ihr sezierender Blick wandert weiter zu ihrem großen Zeh, der nicht gepflegt wie in der Werbung sondern als schrumpeliger, meist unbeachteter Körperteil mit grauen Flecken von ihrem Fuß absteht. Gerade hatte er sich noch mit seinen Nachbarn durch den Dreck bewegt. Rhythmisch abrollend in der Symphonie eines gesundes Fußes. Dirigiert von einer mittelmäßigen Dirigentin. Der Körper, ein gespieltes Lied. Jetzt auf einem Balkon.

Auf dem Boden liegt Dreck. Auf den ersten Blick. Auf den zweiten zeigt sich eine Mischung aus Staub, Zigarettenasche, toten Fliegen und den verwelkenden Blüten vergangener Jahre. Sie ist keine unordentliche Frau, finde ich. Sie hat immer wieder mal gefegt. Nur eben nicht so gründlich.

Sind tote Fliegen ekelig?

Die Sonne lässt noch auf sich warten. Vielleicht wird sie den Balkon nie erreichen, weil er dem Schatten der umliegenden Häuser verpflichtet ist. Vielleicht gibt es nachher einen Lichtreflex wie ein Schwert, der sich in den Fenstern bricht und der Frau geradewegs ins Gesicht scheint. Falls sie dann noch auf dem Balkon sitzt. Ich persönlich glaube es nicht. Diese Frau hat nicht so viel Geduld.

In V.

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Ich bin in V. Das ist reiner Zufall. Ich bin hier gelandet, weil ich einfach rumgefahren bin. Ich habe einen Weg gesucht, in den ich hineinfahren kann. Einen Weg, der an den Seiten grün und an seinem Ende einsam ist. Und dann bin ich hier gelandet. In V.
Ich sitze auf einer Bank mit einem kleinen, verwitterten Messingschild. „Freiwillige Feuerwehr 2008“ steht darauf. Sie ist mit Vogelscheiße verschmiert, die Freiwillige Feuerwehr. Aber die Bank ist gut und stabil, aus dickem Holz, verwittert, aber nicht bezwungen von der Zeit.
Ich bin nicht die Erste, die hier sitzt. Zigarettenstummel liegen am Boden, hier hat schon jemand geraucht, so wie ich jetzt, die hier sitzt und ihre letzte Zigarette raucht.
Das Leben ist eine Verkettung von Zufällen. Es passieren ständig irgendwelche Dinge, die keinen Sinn ergeben. Ich denke, das ist das Schwierigste für die Menschen. Sie suchen alle permanent nach einem Sinn, einer Antwort, nach Göttern, irdischen und überirdischen, und finden sie nicht. Das, was passiert, hat keinen Sinn. Wir bewegen uns und denken, wir können beeinflussen, welchen Weg wir gehen. Wir versuchen alles oder nichts und wissen nie, was daraus wird. Nennt man es Tragödie? Nennt man es Komödie? Beide Begriffe haben ihre Berechtigung. Ist es der Betrachter, der die Antwort bestimmt? Oder ist es der Moment, der den Betrachter bestimmt?
Ich weiß es nicht. Ich weiß, dass ich jetzt hier auf dieser Bank sitze. Zufällig. Die letzte Zigarette ist bis zum Filter heruntergebrannt. Ich drücke sie aus. Neben ihren… Freunden. Über die Ameisen krabbeln. Ich werde wieder weiterfahren. Weg aus V. Völlig sinnlos. Beruhigt mich das? Gerade nicht.

Hintertür 

Ich machte mich gestern auf zu einem sehr deutschen und korrekten Ort um meiner Bürgerpflicht nachzugehen. Es hatte geregnet, doch wurde langsam heller und ich hatte unter einem Vordach des ehrwürdigen Gebäudes Platz gefunden. Während ich noch telefonierte beäugte mich ein Pförtner, doch ich ließ mich nicht von meinem trockenen Fleck vertreiben, verschwand tiefer in meiner Kaputze. Als ich schließlich die Eingangstür öffnete, war er verschwunden und ich befand mich allein in einem Vorraum. Altes Holz drängte sich von rechts und links auf, Informationsmaterial war nicht vorhanden. Ich wartete ein Weilchen. Dann betätigte ich die schwere hölzerne Drehtür und stand in einem verlassenen Raum vor einer Wendeltreppe. Durch alte Glasfenster im Turm konnte ich auf den Innenhof sehen. Licht fiel herein und zeichnete goldene Muster. Magisch aus einer anderen Zeit.

Ja, ich wusste schon früh, dass ich falsch gegangen war. Dass dieses nicht der Eingang zur Behörde sein konnte. Aber ich trat trotzdem ein. Blieb stehen und starrte die Treppe an. Widerstand der Verlockung, die Stufen zu erklimmen. Eine Person kam und führte mich durch lange Gänge und Türen dorthin, wo ich hingehörte. Zu den anderen Bürgern.

Das Leben bringt einen meistens zurück auf die Schienen. Dabei sind wir gar keine Züge.

Mit anderen Augen gesehen

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„Ey, Mann, jetzt lass doch mal den Quatsch, du bist echt ein Kleinkind! Die Frau hinter dir hat schon Angst!“ Ein hübsches Mädchen im Bikini mit weißen Zähnen und dunklen Locken weist einen dunkelhaarigen Hünen mit einem Kreuz wie Herkules zurecht, der wie ein plumper Elefant durch das Wasser des Schwimmerbeckens pflügt und dabei eine Wasserfontäne an die Decke schießt. Sie sind ein schönes Paar wie sie schon eine Weile durch das Becken tollen, Ballspielen, sich jagen und sich gegenseitig ins Wasser werfen. Immer abgemildert durch ihre mahnenden Worte. Ihre Sprache ist derb, ohne plump zu wirken. Sie kann sich ausdrücken und sie weiß es mit all dem Selbstbewusstsein eines Kindes, das sich sowohl auf der Straße als auch in der Schule zu behaupten weiß. Er wirkt wie ein riesiger Teddybär und neben all der aufgesetzten Coolness, die er noch eben an den Tag legte, als ich abgedrifteten Wasserball aus meiner Schwimmbahn zu ihm zurück beförderte, gibt es nur eine Person in der Schwimmhalle, die ihn interessiert. Sie ist seine Traumfrau, er himmelt sie an. Wirft sich immer wieder wie ein Walross mit ungelenken Sprüngen neben ihr ins Nass, einzig und allein um ihre Aufmerksamkeit zu erlangen. Wenn sie ihn spielerisch spöttisch ermahnt, glänzen seine Augen und er lacht idiotisch. Jetzt dreht er sich überrascht um und ich mich fast mit bis ich begreife. Die Frau, die Angst hat, bin ich. Während ich versöhnlich grinse und weiter meine Bahnen schwimme, denke ich an die beiden und verstehe, dass ich einer anderen Generation angehöre. Ich bin eine Frau.
Angst habe ich aber nicht.

Aufdringliche Gleichnisse 

Ein Blick in die Natur drängt einfache Lösungen auf. Besonders im Frühling sieht man schwarz oder weiß, rosa oder lila. Ich spaziere und spaziere, sehe aber doch nicht hervor hinter meinem Schleier. Ich bin den Farben nicht böse, sie können ja nichts dafür, dass sie mir Eindeutigkeit vermitteln wo keine ist. Hinter den Wolken Sonnenschein. Hinter dem Schleier ich. 

Ich! Wer kann das schon sein!