Alles in Ordnung mit Ihnen?

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Es herrscht die Ruhe eines kalten, winterlichen Sonntags, der die Welt erstarren und Menschen, die sonst schlendern, vorüberhuschen lässt. Als kleine schwarze Gestalt, die sich eine Mütze bis kurz über die Augen und einen Schal bis kurz unter jene gezogen hat, stapfe ich über die reifbedeckten, unberührten Wege. Die Welt steht still und alles erscheint mir fern.

Ich weiß nicht, ob ich gläubig bin. Aber ich glaube Vieles. Dass die Politik Frauen misstraut, die sich ihr Gesicht verhüllen, so wie mir? Dass die kalte Gesellschaft an ihren Kaminen sitzt und sich die Hände wärmt, hinter verschlossenen Türen. Dass der Konsum nur von Weitem süß ist und golden glitzert. Dass die Nachbarin sich gestern wieder über den Lärm der Musik beschwert hat. Ich gehe schnell und die Sohlen meiner Stiefel finden kaum Halt auf dem glatten Boden. Ich rutsche, schlittere, strauchle, verliere das Gleichgewicht, fange mich wieder und falle nicht. Gerade noch mal gut gegangen! Ich muss an den Sommer zurückdenken, das grüne Laubdach über mir, die laue Luft, an den Moment als ich beim Joggen im Park stolperte, stürzte und unter Tränen des Schmerzes im alten Laub am Wegesrand niedersank. Wie etwas in mir wuchs, mit jeder Person, die schweigend an mir vorüber ging, radelte oder rannte. Meine Tränen wurden stärker und lautlos in die Büsche starrend konnte ich nicht mehr unterdrücken, was mein Herz zuschnürte: die tiefe, archaische Einsamkeit.

Doch nach fünfzehn Minuten eine Andere. Die Erlöserin. Sie hatte braune Haare und war etwa 40 Jahre alt, trug ein perfektes Joggingoutfit in Neonfarben und riss sich mit einer schnellen Bewegung einen Kopfhörer aus dem Ohr. Dann sprach sie die magischen Worte, griff mir unter den Arm und half meinem dreckverschmierten, kraftlosen Ego wieder auf die Beine. Nach einer Minute und ein paar warmen Worten und Beteuerungen meinerseits, es würde schon wieder gehen, joggte sie weiter und ich humpelte zur nächsten Bank, auf die ich mich setzte und atmete.

Ich weiß nicht, ob ich gläubig bin. Aber ich glaube Vieles. Dass Politik sich immer wieder hinterfragt und erneuert auf dem steinigen Weg zur Umsetzung der Menschenrechte. Dass es Frieden gibt, den ich fühle, wenn ich mich aufmache, um zur Kirche zu gehen. Dass immer eine Kerze in der Dunkelheit leuchtet, deren Flamme selbstverloren tanzt. Dass es eine Frau gibt, die mit offenen Augen durch den Park läuft und einer Gestürzten auf die Beine hilft.

Die Einsamkeit ist real. Doch solange ich etwas glauben kann, ist alles in Ordnung mit mir.

 

 

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Demokratie

Wenn sogar das Poetische, mir im Blut liegende auf der Strecke bleibt, woher die Kraft nehmen, politisch zu werden? Antwort: Aus der tiefsten Überzeugung heraus!

Das Eigene und das Andere

ipp

Mit der Macht ist es wie mit dem Alkohol. Sie ist nicht gesund und wer zu viel hat, betrinkt sich an ihr, wird euphorisch, agiert aus und handelt oft ohne an Konsequenzen zu denken. Nicht jeder ist gefährdet süchtig zu werden, manch einer meidet sie aus Angst, Abneigung oder Klugheit. Für diese, die ihr nicht widerstehen können, wird es gefährlich… Sie sind überall und ihre Anhänger sind zahlreich. Zu angenehm sind doch die ersten Nebenwirkungen der Gefühle der Grandiosität, der Entscheidungsgewalt und der Bewunderung.

Hat einer es schöner als Tolkien in Herr der Ringe beschrieben, wie Träger des Ringes der Macht sich schleichend verändert und schließlich mit Gewalt niedergerungen werden muss? Was bleibt ist Erleichterung, Wehmut oder Schmerz.

Wie also umgehen mit der Großen, der Unvermeidbaren, der Allgegenwärtigen?

Wir müssen die Macht teilen. Miteinander sprechen, diskutieren, streiten, auseinander gehen, erneut treffen, Pro und Contra abwägen, uns abstimmen, einigen und mit…

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Paris, eine Ohnmacht

Aus meiner dunklen Seele. Sorgenvoll.

Das Eigene und das Andere

Schwarz und Weiß Schwarz und Weiß

Sollte man einen Essay schreiben, wenn das Eigene angegriffen wird?
Ja, unbedingt. Doch was gehört dieses Mal zu mir?

Was in Paris passiert ist, trifft uns. Wir hängen an unserem Leben. Wir mögen Mord und Todschlag nur sonntags um 20.15 Uhr im Ersten. Dann ist die Welt in Ordnung. Unsere Sofas sind gemütlich. Die Chips in einem Schüsselchen serviert. Wen das Rascheln nicht stört, isst direkt aus der Tüte. (Heute bis zu 30% weniger Fett!)

Krieg sind wir nicht mehr gewohnt. Dabei ist er Alltag. Zivilisten sterben täglich in Kriegen, die wir führen, durch Waffen, die wir produzieren. Gerechte Kriege. Qualitätsware. Doch Schusswunden bleiben Schusswunden, egal in welchem Land sie wem aus welchem Grund zugefügt wurden.

Und bitte, schwarz-weiße Schreihälse der Doppelmoral, die französische Flaggen in ihren Facebookprofilen hissen, um im nächsten Augenblick auf Flüchtlinge zu schimpfen: Die Werte, die ihr schützen wollt, tretet ihr mit Füßen!

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Diese anderen Anderen

Das Eigene und das Andere

Das Glück der Anderen ist schön Das Glück der Anderen ist schön

Von den Anderen habe ich ja schon oft berichtet und werde es auch weiterhin tun. Heute möchte ich mich jedoch mit den anderen Anderen auseinandersetzen, die zunächst mit den vorher erwähnten Anderen nicht viel gemeinsam zu haben scheinen, aber vielleicht doch mehr als man vermuten könnte. Wie anders diese anderen Anderen sind, möchte ich in diesem Text herausfinden.

Frage: “Was?! Die weiß noch nicht, was sie schreiben will, wenn sie anfängt?!”
Antwort: “Genau so ist es. Und da lasse ich mir von Anderen auch nicht ‘reinreden.”

Dies war der Auftakt zum Thema “Die anderen Anderen”.
Es wird Zeit für eine Erläuterun: Die Anderen, über die ich sonst meine, die jene, die uns fremd erscheinen. Heute möchte ich über die schreiben, die uns nah erscheinen, und doch weit weg sind. Die uns vorgehalten werden, als leuchtende Beispiele, denen man nachstreben soll, die erfolgreich in Beruf…

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