In V.

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Ich bin in V. Das ist reiner Zufall. Ich bin hier gelandet, weil ich einfach rumgefahren bin. Ich habe einen Weg gesucht, in den ich hineinfahren kann. Einen Weg, der an den Seiten grün und an seinem Ende einsam ist. Und dann bin ich hier gelandet. In V.
Ich sitze auf einer Bank mit einem kleinen, verwitterten Messingschild. „Freiwillige Feuerwehr 2008“ steht darauf. Sie ist mit Vogelscheiße verschmiert, die Freiwillige Feuerwehr. Aber die Bank ist gut und stabil, aus dickem Holz, verwittert, aber nicht bezwungen von der Zeit.
Ich bin nicht die Erste, die hier sitzt. Zigarettenstummel liegen am Boden, hier hat schon jemand geraucht, so wie ich jetzt, die hier sitzt und ihre letzte Zigarette raucht.
Das Leben ist eine Verkettung von Zufällen. Es passieren ständig irgendwelche Dinge, die keinen Sinn ergeben. Ich denke, das ist das Schwierigste für die Menschen. Sie suchen alle permanent nach einem Sinn, einer Antwort, nach Göttern, irdischen und überirdischen, und finden sie nicht. Das, was passiert, hat keinen Sinn. Wir bewegen uns und denken, wir können beeinflussen, welchen Weg wir gehen. Wir versuchen alles oder nichts und wissen nie, was daraus wird. Nennt man es Tragödie? Nennt man es Komödie? Beide Begriffe haben ihre Berechtigung. Ist es der Betrachter, der die Antwort bestimmt? Oder ist es der Moment, der den Betrachter bestimmt?
Ich weiß es nicht. Ich weiß, dass ich jetzt hier auf dieser Bank sitze. Zufällig. Die letzte Zigarette ist bis zum Filter heruntergebrannt. Ich drücke sie aus. Neben ihren… Freunden. Über die Ameisen krabbeln. Ich werde wieder weiterfahren. Weg aus V. Völlig sinnlos. Beruhigt mich das? Gerade nicht.

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Hintertür 

Ich machte mich gestern auf zu einem sehr deutschen und korrekten Ort um meiner Bürgerpflicht nachzugehen. Es hatte geregnet, doch wurde langsam heller und ich hatte unter einem Vordach des ehrwürdigen Gebäudes Platz gefunden. Während ich noch telefonierte beäugte mich ein Pförtner, doch ich ließ mich nicht von meinem trockenen Fleck vertreiben, verschwand tiefer in meiner Kaputze. Als ich schließlich die Eingangstür öffnete, war er verschwunden und ich befand mich allein in einem Vorraum. Altes Holz drängte sich von rechts und links auf, Informationsmaterial war nicht vorhanden. Ich wartete ein Weilchen. Dann betätigte ich die schwere hölzerne Drehtür und stand in einem verlassenen Raum vor einer Wendeltreppe. Durch alte Glasfenster im Turm konnte ich auf den Innenhof sehen. Licht fiel herein und zeichnete goldene Muster. Magisch aus einer anderen Zeit.

Ja, ich wusste schon früh, dass ich falsch gegangen war. Dass dieses nicht der Eingang zur Behörde sein konnte. Aber ich trat trotzdem ein. Blieb stehen und starrte die Treppe an. Widerstand der Verlockung, die Stufen zu erklimmen. Eine Person kam und führte mich durch lange Gänge und Türen dorthin, wo ich hingehörte. Zu den anderen Bürgern.

Das Leben bringt einen meistens zurück auf die Schienen. Dabei sind wir gar keine Züge.

Mit anderen Augen gesehen

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„Ey, Mann, jetzt lass doch mal den Quatsch, du bist echt ein Kleinkind! Die Frau hinter dir hat schon Angst!“ Ein hübsches Mädchen im Bikini mit weißen Zähnen und dunklen Locken weist einen dunkelhaarigen Hünen mit einem Kreuz wie Herkules zurecht, der wie ein plumper Elefant durch das Wasser des Schwimmerbeckens pflügt und dabei eine Wasserfontäne an die Decke schießt. Sie sind ein schönes Paar wie sie schon eine Weile durch das Becken tollen, Ballspielen, sich jagen und sich gegenseitig ins Wasser werfen. Immer abgemildert durch ihre mahnenden Worte. Ihre Sprache ist derb, ohne plump zu wirken. Sie kann sich ausdrücken und sie weiß es mit all dem Selbstbewusstsein eines Kindes, das sich sowohl auf der Straße als auch in der Schule zu behaupten weiß. Er wirkt wie ein riesiger Teddybär und neben all der aufgesetzten Coolness, die er noch eben an den Tag legte, als ich abgedrifteten Wasserball aus meiner Schwimmbahn zu ihm zurück beförderte, gibt es nur eine Person in der Schwimmhalle, die ihn interessiert. Sie ist seine Traumfrau, er himmelt sie an. Wirft sich immer wieder wie ein Walross mit ungelenken Sprüngen neben ihr ins Nass, einzig und allein um ihre Aufmerksamkeit zu erlangen. Wenn sie ihn spielerisch spöttisch ermahnt, glänzen seine Augen und er lacht idiotisch. Jetzt dreht er sich überrascht um und ich mich fast mit bis ich begreife. Die Frau, die Angst hat, bin ich. Während ich versöhnlich grinse und weiter meine Bahnen schwimme, denke ich an die beiden und verstehe, dass ich einer anderen Generation angehöre. Ich bin eine Frau.
Angst habe ich aber nicht.

Holidays in Lübeck

Starting with the atmosphere. Streets from an ancient time where you can hide at night behind a corner with a beating heart from your own shadow. And then again: Bricks! Backstein!

Take a coffee, find an art gallery, eat an expensive ice cream. Welcome to Lübeck!

You can find here: Marienkirche, Heiligengeist Hospital, River Trave, Holstentor and many more. 🙂