Das ist alles etwas viel

Gar nicht so viel. Heute war Sonne.



Ich mache viel. Ich mache wenig. Ich bin ein Klotz. Ich bin ein König.

Gefangen im Raum zwischen den Gedanken der Einen und der Anderen über mich versuche ich herauszufinden, wie ich bin. Dann setze ich mich hin und schreibe. Ich möchte entscheiden, dass heute ein guter Tag war und ich viel geschafft habe. Doch die einen sind länger geblieben und die anderen früher aufgestanden. Dafür habe ich mich heute morgen krank gefühlt. Bin trotzdem zur Arbeit gegangen. Verwegen den Schmerz mit Kaffee hinunter gespült.

“Ich war noch nie krank”, höre ich die Stimme der einen.
“Ich bin selten vor 20 Uhr zu Hause”, sagt ein anderer.

Ich staune. Nie krank. Nie vor acht zu Hause. Da bin ich doch Schreiberin, Philosophin, Lebenskünstlerin und Allesversteherin, aber das bin ich nicht! Nie krank. Nie vor acht zu Hause.

Was ist das Besondere am Viel?

Es findet sich im Aufsichtsrat der DAX-Konzerne und im Schweigekloster. Im Sandkasten und im Seniorenkreis. Bei Rohköstlern und Alkoholikern.

Selbst die, die sich von ihm distanzieren, beschäftigen sich mit ihm. Was ist viel? Was ist zu viel?

Während ich noch versuche, mich heute Abend mit einem gut gemacht und genug gemacht zu beurteilen, trinke ich ein Glas Tee. Denke noch mal an die einen und die anderen.
Viele machen ziemlich viel.

Keine Schuhe

Ich spaziere durch den Park. Von Weitem sehe ich einen unauffällig gekleideten Mann, der auf unsicheren Schritten um eine Bank herum geht. Als ich näher komme, sehe ich, dass er Socken trägt. Beim Vorbeischlendern bemerkt er mich, blickt auf meine Schuhe und sagt freundlich: “Es ist angenehm, wenn man Schuhe hat.”
Irritiert mustere ich ihn und frage: “Wo sind denn Ihre Schuhe?”
Er schaut betrübt zu Boden und seufzt: “Bei einem sogenannten Freund, der meine Frau… Naja…” Er macht eine wegwerfende Handbewegung. Dann setzt er sich auf die Bank und als meine Blicke ihm folgen, sehe ich eine dicke, brennende Altarkerze neben ihm auf der Bank stehen. Der Mann betrachtet sie und sagt fröhlich aufmunternd zu sich selbst :” Aber ich hab eine Kerze!”

Währenddessen

Währenddessen sitzen irgendwo zwei Menschen auf einem Sofa und entspannen sich. Sie haben gerade zu Abend gegessen. Spaghetti mit Soße, weil es heute schnell gehen sollte, aber trotzdem lecker sein. Jetzt sind sie satt, haben den Fernseher angestellt und sehen das Abendprogramm Nicht sehr konzentriert, weil sie sich lebendig unterhalten. Wenn du die Ohren spitzt, kannst du verstehen, wie sie die Sendung ironisch kommentieren, die Sprecher imitieren, aber meistens wirst du bei dem prasselnden Regen nur ihr Gelächter anschwellen und wieder verebben hören.

Ja, dieser Regen, der zieht einem durch Mark und Bein. Die Jacke liegt schon wie ein Sack klatschnass auf meinen Schultern. An der Vorderseite laufen Bächlein herab. Ist angeblich wasserabweisend, die Jacke. Stattdessen friere ich, meine Muskeln sind kalt, mein Körper starr und unbeweglich. Ein vorsichtiger Versuch, den Arm zu bewegen ist noch von Erfolg gekrönt als ich mir die nassen Haare aus dem Gesicht wische, doch meine Beine bewegen sich nicht. So muss ich wohl hier stehen bleiben. Aber das ist nicht so schlimm. Ich lehne mich einfach zurück an die Wand zu der ich mit dem Rücken stehe und denke an das, was währenddessen wohl geschieht.

Im Schrank ist etwas liegen geblieben

Ich dachte lange Zeit, sie würden noch kommen, die besseren Tage. Vielleicht war das eine Art Selbstschutz, vielleicht nur eine positive Lebenseinstellung. Dann sind sie mir abhandengekommen. Wohl vergraben unter einem Papierstapel, Rechnungen und Einwurfsendungen, Einkaufszetteln und Randnotizen. Dann habe ich sicher aufgeräumt. Wichtiges ins Regal gestellt, Unansehnliches im Schrank verstaut, Überflüssiges aufgewischt. 

Die Tage hätte ich nicht aufgewischt. So viel steht fest. Ich hätte es nicht übers Herz gebracht. Da ich sie im Regal aber nicht sehe, zwischen all den unzufriedenen Büchern, müssen sie im Schrank sein.

Ja, sie sind ganz bestimmt im Schrank! Ich werde nachsehen. Vielleicht schon morgen.

Schwebender

Wenn ich dich ganz genau wahrnehme, heißt das nicht, dass andere dich sehen.

Du wirkst nicht auf jeden.

Doch wer dich sieht, vergisst dich nicht, dem bleibst du auch zugegen.

Niemals Niemandem gehören

Niemals Jemanden verstören 

Niemals wirklich sein

Ein Traum

Mit Flügeln 

Für mich 

Allein 


Ans Leben – Bla

ipp

Eine Pflanze sein oder auch zwei

Das Leben ist lang. Das Leben ist jetzt.
Wenn du meine Worte nicht verstehst, dann bist du vielleicht nicht gewöhnt, zu lesen, was du liest. Zu hören, was du hört. Zu sagen, was du denkst.
Fang heute damit an! Grammatik wird überschätzt. Schönheit liegt auf der Zunge der Sprechenden. Du darfst verstehen, was du willst. Aber versteh etwas! Lass dich ein!

Raus mit dir aus den vorinterpretierten Phrasen! Reiß dir die Worthülsen vom Leib! Was sein muss. Was sein soll. Was anders ist. Jede Sekunde ist eine Entscheidung. Alle nehmen dir etwas weg. Alle geben dir etwas. Du kannst nichts für dein Scheißleben. Das Leben ist umsonst.

Weißt du noch gestern? Als der Moment nicht vergehen wollte? Ja, genau den meine ich. Du kannst dich jetzt entscheiden. Du kannst ein wenig fröhlich sein. Du hast Zeit.