Verehrte Leser*innen, heute ist der Übergang

Ein Spaziergang durch den Park, ein Moment, den man allein verbringt und doch mit vielen anderen Spaziergänger*innen teilt. Fuß vor Fuß. Den Blick gesenkt oder unstet streifend. Heute keine Gespräche mit Unbekannten. Die Feierlichkeiten von gestern sind Geschichte geworden. Das Neue ist noch nicht wirklich zu fassen. Der 1. Januar ist ein Schwebezustand, ein Zwischenraum. Die Kälte passt gut zu ihm. Sie verdeutlicht, dass jetzt etwas Anderes kommt. So will es die Kultur.

Verehrte Leser*innen, wenn Sie noch im Gestern verharren und ob des Morgens bangen, gehen Sie einmal raus! In die Schleuse des 1. Januar.

Frau Mond fährt los

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Früher oder später spuckt einen das Loch wieder aus, in das man gefallen ist. Dann kommen einem plötzlich Ideen, die man lange abgetan hatte und Träume lassen sich mit Worten benennen. Vielleicht an einem Tag im Spätsommer an dem sich die Blätter vor Hitze golden kräuseln. Einem Tag, an dem weiße Schäfchen unschuldig am blauen Himmel grasen. Einem Tag, an dem das Telefon schweigt.

Es war so ein Tag, an dem Luna vom Sofa aufstand und ihr rostiges Fahrrad aufschloss. Der lange Sommerregen hatte ihm zugesetzt und der Schlüssel wollte sich zunächst nicht umdrehen lassen. Während sie an dem Eisenschloss rüttelte, zog sie die Blicke der Passanten auf sich. Ängstliche Übermütter mit sauberen Kleinkindern, Anzugträgermänner und Sonnenbrillenteenager musterten sie mit verstohlenem Interesse. Sie sahen eine Frau, die sich etwas nahm, das ihr gehört, waren aber noch nicht bereit gänzlich zu akzeptieren, dass dies seine Richtigkeit hatte. Wer sich energisch etwas anzueignen versucht, wird oft hinterfragt, wenn er nicht eine überbordende Selbstverständlichkeit an den Tag legt. Doch Luna war ins Leben katapultiert worden und sie hatte beschlossen, die Herausforderung anzunehmen. Mit ein wenig Spucke brachte sie das eingerostete Schloss zur Räson und der Schlüssel ließ sich herum drehen. Sie schwang sich auf den harten Sattel und drückt die rechte Pedale herunter.

Dann fuhr Luna los. Sie wusste nicht, wohin, genauso wenig wie dieser Text. Doch der Weg war das Ziel und jede Bewegung Mittel zum Zweck. Und ihre Haare wehten noch lange im Wind als die Sonne vom ersten Herbststurm abgelöst worden war. Vielleicht bis zum nächsten Schlagloch. Oder darüber hinaus.