Was Vergessen

Ich bin unruhig. Ich habe das Gefühl, dass ich etwas vergessen habe. Doch ich weiß nicht, was.

Wie standen an der Haltestelle. Du musstest mir noch schnell etwas erzählen. Nur kurz, bevor wir beide in unsere Busse steigen und auseinanderfahren würden. Du räuspertest dich. Es täte dir leid, du hättest es mir vorher sagen sollen. Aber jetzt sei es beschlossene Sache. Nächste Woche würdest du gehen. Es sei ein einmaliges Angebot gewesen. Wie hättest du es ausschlagen können? Mehr und mehr Worte sprudelten aus deinem Mund.

Ich blieb stumm. Innerlich war ich mit einem Satz zurückgesprungen wie ein erschrockenes Pferd. Äußerlich war es wohl nur meine Miene, die sich minimal verzog. Nur minimal. Okay, sagte ich. Verunsichert, gelähmt, rausgefallen aus meiner Rolle der Gutgelaunten, der Optimistin, der Allverstehenden. Doch mit tapferem Lächeln, überschütterlich, unverwüstlich freundlich. Gut. Ich wünschte dir viel Glück.

Dann tauschten wir Belanglosigkeiten aus. Plapperten, was aus unseren Kehlen strömte, eine quälende Endlosigkeit. Als du schließlich die obligatorische Umarmung anstrebtest, erwiderte ich sie voller Erleichterung und empfand nur noch Müdigkeit als ich mich ein letztes Mal umdrehte bevor ich in den schnaufenden Bus stieg, der vor uns anhielt. Du winktest mit einem aufgesetzten Lächeln und ich winkte zurück. Kuss und Schluss. Aus vorbei die Polizei. Ende im Gelände.

Dies alles erscheint mir Stunden, Tage, Wochen, Monate, Jahre her.

Doch ich sitze hier und bin unruhig. Was ist es bloß, das ich vergessen habe?