5 Jahre Winterdepression?

Fünf Jahre ist es her, dass ich an einem grauen Januartag diesen Blogbeitrag schrieb. Umgeben vom inneren und äußeren Grau, doch fest entschlossen, etwas daraus zu machen. Wenn ich heute “Sechs persönliche Tipps gegen Winterdepression” lese, weiß ich, dass ich nicht wirklich weitergekommen bin. Aber ich habe mich auch nicht zurückentwickelt. Und so kämpfe ich weiter wie eine Donya Quijote gegen meine Windmühlen an. En garde!

Hier der Artikel von damals:


Sechs persönliche Tipps gegen Winterdepression

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Böse Zungen werfen meinem Dasein Inkonsistenz und Wankelmut vor. Doch das stimmt nicht! Es gibt Menschen, Gefühle, sogar Interessen, die mich seit langer Zeit begleiten. Hier und heute möchte ich eine meiner treuen Begleiterinnen vorstellen: Vorhang auf für die Winterdepression! Continue reading

Verehrte Leser*innen, heute ist der Übergang

Ein Spaziergang durch den Park, ein Moment, den man allein verbringt und doch mit vielen anderen Spaziergänger*innen teilt. Fuß vor Fuß. Den Blick gesenkt oder unstet streifend. Heute keine Gespräche mit Unbekannten. Die Feierlichkeiten von gestern sind Geschichte geworden. Das Neue ist noch nicht wirklich zu fassen. Der 1. Januar ist ein Schwebezustand, ein Zwischenraum. Die Kälte passt gut zu ihm. Sie verdeutlicht, dass jetzt etwas Anderes kommt. So will es die Kultur.

Verehrte Leser*innen, wenn Sie noch im Gestern verharren und ob des Morgens bangen, gehen Sie einmal raus! In die Schleuse des 1. Januar.

Alles in Ordnung mit Ihnen?

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Es herrscht die Ruhe eines kalten, winterlichen Sonntags, der die Welt erstarren und Menschen, die sonst schlendern, vorüberhuschen lässt. Als kleine schwarze Gestalt, die sich eine Mütze bis kurz über die Augen und einen Schal bis kurz unter jene gezogen hat, stapfe ich über die reifbedeckten, unberührten Wege. Die Welt steht still und alles erscheint mir fern.

Ich weiß nicht, ob ich gläubig bin. Aber ich glaube Vieles. Dass die Politik Frauen misstraut, die sich ihr Gesicht verhüllen, so wie mir? Dass die kalte Gesellschaft an ihren Kaminen sitzt und sich die Hände wärmt, hinter verschlossenen Türen. Dass der Konsum nur von Weitem süß ist und golden glitzert. Dass die Nachbarin sich gestern wieder über den Lärm der Musik beschwert hat. Ich gehe schnell und die Sohlen meiner Stiefel finden kaum Halt auf dem glatten Boden. Ich rutsche, schlittere, strauchle, verliere das Gleichgewicht, fange mich wieder und falle nicht. Gerade noch mal gut gegangen! Ich muss an den Sommer zurückdenken, das grüne Laubdach über mir, die laue Luft, an den Moment als ich beim Joggen im Park stolperte, stürzte und unter Tränen des Schmerzes im alten Laub am Wegesrand niedersank. Wie etwas in mir wuchs, mit jeder Person, die schweigend an mir vorüber ging, radelte oder rannte. Meine Tränen wurden stärker und lautlos in die Büsche starrend konnte ich nicht mehr unterdrücken, was mein Herz zuschnürte: die tiefe, archaische Einsamkeit.

Doch nach fünfzehn Minuten eine Andere. Die Erlöserin. Sie hatte braune Haare und war etwa 40 Jahre alt, trug ein perfektes Joggingoutfit in Neonfarben und riss sich mit einer schnellen Bewegung einen Kopfhörer aus dem Ohr. Dann sprach sie die magischen Worte, griff mir unter den Arm und half meinem dreckverschmierten, kraftlosen Ego wieder auf die Beine. Nach einer Minute und ein paar warmen Worten und Beteuerungen meinerseits, es würde schon wieder gehen, joggte sie weiter und ich humpelte zur nächsten Bank, auf die ich mich setzte und atmete.

Ich weiß nicht, ob ich gläubig bin. Aber ich glaube Vieles. Dass Politik sich immer wieder hinterfragt und erneuert auf dem steinigen Weg zur Umsetzung der Menschenrechte. Dass es Frieden gibt, den ich fühle, wenn ich mich aufmache, um zur Kirche zu gehen. Dass immer eine Kerze in der Dunkelheit leuchtet, deren Flamme selbstverloren tanzt. Dass es eine Frau gibt, die mit offenen Augen durch den Park läuft und einer Gestürzten auf die Beine hilft.

Die Einsamkeit ist real. Doch solange ich etwas glauben kann, ist alles in Ordnung mit mir.

 

 

Snow White has got a fish




Slowly and fast moving through the winter. Why does it seem endless like always? Why doesn’t summer? Is it because winter hurts? For sure it is about me. It must be about me. Somewhere out there are people who are having the best days. Maybe the time of their life. Just because of the winter.

I had a dream about my grandma. She gave me a goldfish as a present. I never had a fish before. I kind of like the idea.

Back to the cold. It is still winter.

Kalt

In diesem Jahr ist es früh kalt. Da fällt es auf, wenn die Heizung fehlt. Wenn man vor lauter Stress den Schal nur locker um den Hals wirft und draußen der eisige Wind hineinfährt. Da heißt es nachjustieren und zu spät kommen. Die Anderen sind es vielleicht auch. Die stehen vermutlich noch vor der Tür, zwischen den steifgefrorenen Fingern eine glimmende Zigarette. Vielleicht finden sie ja ein Feuer. Dann kann ich nachkommen und mich dazustellen. Dann ist es nicht ganz so kalt im Innern.

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Bilder und Worte des Februar

Was für ein Monat! Der nicht weiß, was er will. Irgendwie ist noch Winter. Aber die Blüten blühen. Die Augen brennen. Die Sehnsucht wächst. Wie viele Probleme wir auch haben, wie anders wir auch sind, wenn die Sonne scheint, strecken wir uns.
Ich habe keine Jacke für dieses Wetter. Wohl da ich keine mehr tragen möchte. Ich will nichts mehr tragen. Ich will nackt schwimmen in die Mittagssonne, das nasse Gesicht im Wind. Schwerelos.

Der Februar ist mein Bruder. So richtig gut verstehen wir uns nicht. Aber wir versuchen es.