War das wirklich jetzt?

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Von allen großen und unerklärlichen Phänomenen der menschlichen Wahrnehmung ist Zeit wohl das am wenigsten zu begreifende.
Es ist schon eine geraume Weile her, dass ich in meiner mündlichen Abschlussprüfung über den Zeitbegriff bei Aristoteles sprach und mich dem Thema wissenschaftlich annäherte. Diese Zeit in einem sonnigen, staubigen Zimmer an der Universität, die ich mit meinem Professor verbrachte, die Berge von Büchern und Schriften, die ich aus der Bibliothek hinausbalancierte um sie mit dem Zug in eine andere Stadt zu bringen und in einem Dachzimmer an einem Buchenholztisch zu lernen, ist lange vorbei. Meine Erinnerung taucht sie in ein goldenes Licht, bei aller Anspannung einer Studierenden die ich damals sicher hatte, bleibt nur die Wolke der Zeit als Vieles noch vor mir lag und ich das Jetzt zelebrieren konnte, weil ich voller Zuversicht wusste, dass das nächste Jetzt freundlich war. Ich gab mir selber Zeit, mich zu entwickeln, denn meine Zeit lag ja noch vor mir.
Heute denke ich mit Staunen an die langsamen Tage, an denen ich las, schrieb und mich langweilte. Zu voll ist dieses Leben für meine reizoffenen Synapsen, die auf jedes Eichhörnchen reagieren. Ach, wenn es doch Eichhörnchen wären! Die Eichhörnchen sind längst Vergangenheit.

Da sitzt dieses Kind morgens vorm Fernseher, dessen Kindersicherung es zielsicher umgangen hat, macht den Ton leise, damit niemand aufwacht, liegt nur zehn Minuten dort, weil es ein Geräusch aus dem Flur hört, springt wie eine Katze auf und zieht den Stecker, der alles wieder in den Urzustand des schlafenden Wohnzimmers versetzt. Dieses Kind, das Eispapier in der Toilette herunterspült, um die Spuren zu beseitigen, läuft später durch den Wald und klettert auf Bäume, kommt nach Hause und schreibt eine Geschichte in sein kleines, kariertes Tagebuch. Mit pinkem Fineliner.

Was hat das mit der Zeit zu tun? Was mit mir? Sind Erinnerungen wirklich passiert? Philosophische, nicht rhetorische Fragen.

Wie bin ich hierher gekommen?
Durch die Zeit.

Ans Leben – Bla

ipp

Eine Pflanze sein oder auch zwei

Das Leben ist lang. Das Leben ist jetzt.
Wenn du meine Worte nicht verstehst, dann bist du vielleicht nicht gewöhnt, zu lesen, was du liest. Zu hören, was du hört. Zu sagen, was du denkst.
Fang heute damit an! Grammatik wird überschätzt. Schönheit liegt auf der Zunge der Sprechenden. Du darfst verstehen, was du willst. Aber versteh etwas! Lass dich ein!

Raus mit dir aus den vorinterpretierten Phrasen! Reiß dir die Worthülsen vom Leib! Was sein muss. Was sein soll. Was anders ist. Jede Sekunde ist eine Entscheidung. Alle nehmen dir etwas weg. Alle geben dir etwas. Du kannst nichts für dein Scheißleben. Das Leben ist umsonst.

Weißt du noch gestern? Als der Moment nicht vergehen wollte? Ja, genau den meine ich. Du kannst dich jetzt entscheiden. Du kannst ein wenig fröhlich sein. Du hast Zeit.

Von Zeiten und Bällen

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Die Zeit danach wollte nicht enden. Auch die Zeit davor hatte nicht enden wollen. Aber kein Vergleich zu dieser Zeit danach. Die Steigerung von endlos ist endloser. Ein Wort, das so fremd nicht klingt.

Warum will die Zeit nicht enden? Hat die Zeit einen Willen? Hat die Zeit ein Ende?

Jede Zeit hat einmal ein Ende.

Wir waren erstarrt.

Doch dann spielte jemand den Ball. Er geriet ins Rollen.

Er rollte und rollte.

Und wollte nicht enden.