Kaffeeliebe

An trüben Morgen, die Kleidung hastig übergeworfen, die Haare energisch gebürstet, auf dem Rad über rote Ampeln gehetzt, die Tür zum Büro rumpelnd aufgestoßen, die Tasche in die Ecke gepfeffert, bist du mein erster Moment der Ruhe.

Am Bahnhof mit dem Rücken zum Geländer, fröstelnd im eisigen Nordwind, fast verbrannte Handflächen, die sich abwechselnd tief in die Manteltaschen graben, ein Schauer, der vibrierend durch den Körper fährt, du bist mein Vertrauter, mein treuer Begleiter.

Wenn wir lachen, lästern, labern, laut und leise, sarkastisch, ironisch und immer wieder voller Begeisterung, weinen, uns Taschentücher reichen in plüschigen Hipstersesseln versinken, bist du in unserem Bunde der Dritte.

Und wieder sind alle zusammen gekommen um sie zu feiern, eine Alltagskultur aus Brötchen mit Marmelade und Knuspermüsli, Butterkuchen und Käse-Sahne-Schnitten, Obstplundern und Nussecken, mit Milch und Zucker, dein Geruch ist meine Kindheit, meine Jugend, mein Versuch eines Erwachsenseins.

Kaffee.

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