Novemberkälte

Ein Spaziergang am Fluss, wo alles erstarrt ist. Sich sogar die Klingel des emsigen Rennradfahrers im Nebel des späten Nachmittags verliert.

Eine erzwungene Ruhe, die meine Finger lähmt. Eine Ruhe zur rechten Zeit.

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Geteilter Schmerz

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Wenn der Schmerz kommt, war oft die Anspannung zu groß. Dann nimmt er sich, was er braucht: die ungeteilte Aufmerksamkeit. Viele Fragen haben nur noch eine Antwort: er soll wieder aufhören.

Warum ist sie auch so sensibel? Immer hat sie etwas. Die eine Krankheit reicht der anderen die Hand. Wo gestern noch der Kopf schmerzte, ist das dumpfe Gefühl beim Vorbeugen verschwunden als hätte es nie existiert. Stattdessen ist es wieder der Rücken, der nur darauf wartet, vom Unterleib abgelöst zu werden. Wo bist du mit deinen Gedanken, Sophia? Vielleicht schon beim Arzt? Oder noch bei Google, Begriffe optimierend, die das Leid nicht lindern, doch wenigstens benennen können. Wenn schon Schmerz, dann wenigstens konkret. So kann sie sich dann darüber austauschen, das passende Produkt konsumieren und heilen.

Wenn der Schmerz geht, bemerkt sie es oft nicht. Es will sich Freude einstellen, doch sie weiß nicht wann. Der Schmerz öffnet die Tür, wenn er geht. Nicht ins Paradies.

Eine Wärmflasche könnte helfen. Und ein paar warme Worte.

Bald ist Nacht

Es ist Bremer Sommer. Ich tauche mit dem Kopf ein in eisiges Wasser. Beginne sofort zu schwimmen. Ich schwimme schnell, ich schwimme gut. Entferne mich vom Ufer. Das Kreischen wird leiser. Die gleichmäßigen Schwimmbewegungen vertreiben die Kälte aus meinem Körper. Es ist eine Idylle, es ist pures Glück, ich zu sein. Frei zu haben. Frei zu sein. Unter den Blicken der DLRG. Niemand soll ertrinken. Aber was kann mir schon passieren? Ich schwimme seit ich denken kann. Freiwillig. Ich lasse mich treiben und denke daran, dass in Malta der Kapitän eines Schiffes vor Gericht steht, weil er Menschen vor dem Ertrinken gerettet hat. Innerhalb Europas stünde er vor Gericht, wenn er es nicht getan hätte. Hier scheint die Sonne und ich schwimme weiter. Weil ich es kann. Bald wird es dunkel. In Europa beginnt die Nacht.

Silvestermorgen

Bilder von Sonne und Licht trocknen lassen an einem grauen Morgen, an dem der Regen zuverlässig unregelmäßig vom Himmel fällt. Es ist Silvester und Menschen bereiten sich auf den Jahresausklang vor. Wenn ich in Epochen denken würde, wäre ich froh, dass diese vorbei ist. Doch ich sehe mein Leben als einen verworrenen Zeitstrang, den ich nicht entknoten kann noch will. Wenn alles sortiert und kategorisiert vor einem läge, wie langweilig und profan wäre das Sein. Da male ich lieber noch ein Bild von Licht und wische die Regentropfen fort.

Im Schrank ist etwas liegen geblieben

Ich dachte lange Zeit, sie würden noch kommen, die besseren Tage. Vielleicht war das eine Art Selbstschutz, vielleicht nur eine positive Lebenseinstellung. Dann sind sie mir abhandengekommen. Wohl vergraben unter einem Papierstapel, Rechnungen und Einwurfsendungen, Einkaufszetteln und Randnotizen. Dann habe ich sicher aufgeräumt. Wichtiges ins Regal gestellt, Unansehnliches im Schrank verstaut, Überflüssiges aufgewischt. 

Die Tage hätte ich nicht aufgewischt. So viel steht fest. Ich hätte es nicht übers Herz gebracht. Da ich sie im Regal aber nicht sehe, zwischen all den unzufriedenen Büchern, müssen sie im Schrank sein.

Ja, sie sind ganz bestimmt im Schrank! Ich werde nachsehen. Vielleicht schon morgen.

Snow White has got a fish




Slowly and fast moving through the winter. Why does it seem endless like always? Why doesn’t summer? Is it because winter hurts? For sure it is about me. It must be about me. Somewhere out there are people who are having the best days. Maybe the time of their life. Just because of the winter.

I had a dream about my grandma. She gave me a goldfish as a present. I never had a fish before. I kind of like the idea.

Back to the cold. It is still winter.

Kalt

In diesem Jahr ist es früh kalt. Da fällt es auf, wenn die Heizung fehlt. Wenn man vor lauter Stress den Schal nur locker um den Hals wirft und draußen der eisige Wind hineinfährt. Da heißt es nachjustieren und zu spät kommen. Die Anderen sind es vielleicht auch. Die stehen vermutlich noch vor der Tür, zwischen den steifgefrorenen Fingern eine glimmende Zigarette. Vielleicht finden sie ja ein Feuer. Dann kann ich nachkommen und mich dazustellen. Dann ist es nicht ganz so kalt im Innern.

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Zustandsbeschreibung

Manchmal frage ich mich, wie glücklich ich gerade bin. Oder wie unglücklich. Aber das wäre zu pessimistisch formuliert. Ich bemühe mich trotz allem Unheil in der Welt positiv zu denken. Positiv zu schreiben. Einfache Aussagen zu treffen. Eine Nummer auf einer Skala von eins bis zehn könnte ich wählen. Ein beliebtes Mittel der Kategorisierung von Zuständen, zum Beispiel in der Psychotherapie. Ein eigenartiges Mittel, einem Gefühl eine Nummer zuzuordnen. Etwas Subjektives etwas Rationalem.

Wie glücklich bin ich heute? 

So glücklich, dass ich lange wach geblieben bin.

So glücklich, dass ich meine Füße gegen eine heiße Wärmflasche gedrückt habe, bis sie fast verbrühten. 

So glücklich, dass ich lebe und mich mit Neugier frage, was morgen passieren wird.

Das klingt religiös. Ist es aber nicht. Vielleicht nutzt man den Begriff “religiös”, wenn es um Sonderbares geht. Wenn es um Gefühle verwirrender Uneindeutigkeit, Sehnsucht, Sinnsuche und Leere geht. 

Wie glücklich bin ich?

Wie bin ich glücklich?

Schnöde Herbstbilder

Ich habe Fotos gemacht, denn ohne eine Brille ist diese Jahreszeit nicht zu ertragen. Herbst wirft den Menschen zurück. Schon wieder die gleiche Scheiße?

Herbst fordert den Menschen heraus. Wir sind alle vergänglich und spüren es auch.

Herbst nimmt den Menschen in die Pflicht. Zieh dir einen verdammten Pullover an!

Wie gesagt, ich habe Fotos gemacht.

Vom Lernen

ipp

Im Gespräch

Was bedeutet Lernen?

Die Frage ist nicht philosophisch gemeint, sondern überaus pragmatisch.

Habe ich etwas gelernt, wenn ich etwas erlebe und verstehe? Oder habe ich erst dann gelernt, wenn ich das Erlebte und Verstandene umsetzen kann?

Somit weiß ich nicht, was ich antworten soll, wenn man mich fragt: “Hast du denn gar nichts dazugelernt?”

Beim nächsten Mal sage ich einfach “Jein”.