Im Schrank ist etwas liegen geblieben

Ich dachte lange Zeit, sie würden noch kommen, die besseren Tage. Vielleicht war das eine Art Selbstschutz, vielleicht nur eine positive Lebenseinstellung. Dann sind sie mir abhandengekommen. Wohl vergraben unter einem Papierstapel, Rechnungen und Einwurfsendungen, Einkaufszetteln und Randnotizen. Dann habe ich sicher aufgeräumt. Wichtiges ins Regal gestellt, Unansehnliches im Schrank verstaut, Überflüssiges aufgewischt. 

Die Tage hätte ich nicht aufgewischt. So viel steht fest. Ich hätte es nicht übers Herz gebracht. Da ich sie im Regal aber nicht sehe, zwischen all den unzufriedenen Büchern, müssen sie im Schrank sein.

Ja, sie sind ganz bestimmt im Schrank! Ich werde nachsehen. Vielleicht schon morgen.

Snow White has got a fish




Slowly and fast moving through the winter. Why does it seem endless like always? Why doesn’t summer? Is it because winter hurts? For sure it is about me. It must be about me. Somewhere out there are people who are having the best days. Maybe the time of their life. Just because of the winter.

I had a dream about my grandma. She gave me a goldfish as a present. I never had a fish before. I kind of like the idea.

Back to the cold. It is still winter.

Kalt

In diesem Jahr ist es früh kalt. Da fällt es auf, wenn die Heizung fehlt. Wenn man vor lauter Stress den Schal nur locker um den Hals wirft und draußen der eisige Wind hineinfährt. Da heißt es nachjustieren und zu spät kommen. Die Anderen sind es vielleicht auch. Die stehen vermutlich noch vor der Tür, zwischen den steifgefrorenen Fingern eine glimmende Zigarette. Vielleicht finden sie ja ein Feuer. Dann kann ich nachkommen und mich dazustellen. Dann ist es nicht ganz so kalt im Innern.

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Zustandsbeschreibung

Manchmal frage ich mich, wie glücklich ich gerade bin. Oder wie unglücklich. Aber das wäre zu pessimistisch formuliert. Ich bemühe mich trotz allem Unheil in der Welt positiv zu denken. Positiv zu schreiben. Einfache Aussagen zu treffen. Eine Nummer auf einer Skala von eins bis zehn könnte ich wählen. Ein beliebtes Mittel der Kategorisierung von Zuständen, zum Beispiel in der Psychotherapie. Ein eigenartiges Mittel, einem Gefühl eine Nummer zuzuordnen. Etwas Subjektives etwas Rationalem.

Wie glücklich bin ich heute? 

So glücklich, dass ich lange wach geblieben bin.

So glücklich, dass ich meine Füße gegen eine heiße Wärmflasche gedrückt habe, bis sie fast verbrühten. 

So glücklich, dass ich lebe und mich mit Neugier frage, was morgen passieren wird.

Das klingt religiös. Ist es aber nicht. Vielleicht nutzt man den Begriff “religiös”, wenn es um Sonderbares geht. Wenn es um Gefühle verwirrender Uneindeutigkeit, Sehnsucht, Sinnsuche und Leere geht. 

Wie glücklich bin ich?

Wie bin ich glücklich?

Schnöde Herbstbilder

Ich habe Fotos gemacht, denn ohne eine Brille ist diese Jahreszeit nicht zu ertragen. Herbst wirft den Menschen zurück. Schon wieder die gleiche Scheiße?

Herbst fordert den Menschen heraus. Wir sind alle vergänglich und spüren es auch.

Herbst nimmt den Menschen in die Pflicht. Zieh dir einen verdammten Pullover an!

Wie gesagt, ich habe Fotos gemacht.

Vom Lernen

ipp

Im Gespräch

Was bedeutet Lernen?

Die Frage ist nicht philosophisch gemeint, sondern überaus pragmatisch.

Habe ich etwas gelernt, wenn ich etwas erlebe und verstehe? Oder habe ich erst dann gelernt, wenn ich das Erlebte und Verstandene umsetzen kann?

Somit weiß ich nicht, was ich antworten soll, wenn man mich fragt: “Hast du denn gar nichts dazugelernt?”

Beim nächsten Mal sage ich einfach “Jein”.

In der Wüste

Ich bin in der Wüste des Wartens am Anfang meines Weges. Der Sand knirscht zwischen meinen Zähnen, wenn ich kaue. Wenn ich mir die Lippen lecke, rollen die Körnchen meine Zunge herunter. Das Kratzen der Steinchen, die an meinem Gaumen kleben bleiben als Knistern mit salzigem Geschmack. Das Wasser ist in Sicht, doch bleibt Illusion. Meine Wüste ist der Weg, der sich nicht zeigt in meiner eindeutigen Welt. Das Salz ist mir doch so wichtig wie die Suppe.

Could I get less?

Now I am watching the moon getting bigger again. He is watching through the clouds, cold and shiny. Being weird and trustworthy at the same time. My heart is quiet and confident. These days I was walking in the park and when I saw a beautiful tree I stopped and thought: “Oh, what a beautiful tree!” Another of these sunny days I had my dinner next to the river Weser in Vegesack. Starring at the water and the mild september evening, I thought happily: “What a nice evening!” Nothing more. Nothing less.

Is it the weather? Or is it me growing old? Emptiness can be a pleasure!

ipp

Ein Baum

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Ein Fluss

Ich, Joghurt

Wie kann ich mich noch selbst darstellen? Schön wäre gelogen. Hässlich will niemand sehen. Aber ich muss. Wie kann ich sonst wissen, dass ich noch existiere?

Mit dem Alter haben schon viele gehadert. Ich denke meistens nicht daran. Fühle mich wie das gleiche Kind. Kind? Was ist eigentlich ein Kind? Ein Mensch, der in einen Rahmen aus Zahlen passt?

Kinder fragen sich nicht, ob sie schön sind. Kinder stellen sich nicht selbst dar. Sie sind einfach.

Wenn ich mein Spiegelbild hinter mir lassen könnte, was wäre dann vorne? Manchmal habe ich das Gefühl, nur mein Äußeres wird älter. Mein Inneres ist weiß, weich und verderblich. Wie ein Joghurt.

Bin ich noch Kind genug?

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