Popcorn mit Salz

Weil das Leben nicht immer süß ist.

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Die Geschichte

Ich erzähle die Geschichte nicht jedem. Und die, denen ich sie erzähle, können sie nicht mehr hören. Dabei ist es so wichtig, sie zu erzählen. Dieses Leben ist einsam.

Frohe Ostern – Happy Easter!

Seit langer Zeit mal wieder ein Osterfest, das nicht zwischen dem Müssen und dem Was-hätte-sein-können zerrieben wird. Trotzdem immer eine Herausforderung, diese Tage, an denen alle Welt glücklich zu sein scheint und grausame Nachrichten kaum in den Bilderbuchfrühling eindringen können, ein Teil der Unbeschwertheit zu werden. Leichtigkeit und Lebensfreude sind unberechenbar. Aber als Sonnenschein fällt man ja gern in denselben mit ein.

Frohe Ostern, viele Blumen, Glück und Leichtigkeit wünsche ich euch allen!

Im Käfig

Meine Wut ist unbändig wie ein wildes Tier, das zu lange in einem Käfig eingesperrt war und jetzt befreit wird und vor seinem Wärter steht.

Sie wird ihn zerreißen oder ersticken in der Enge ihrer Zelle.

Ach Wut, du bindest, du lässt nicht los!

Doch der Tag scheint silbern am Horizont, der die Nacht ablösen wird.

Eines Tages werde ich frei sein.

So seltsam

Aus welcher bizarren Welt entsprang dieser Gegenstand?

RASIER- U. ABSCHMINKPAPIER?

Eine Klinge und ein Mund gefährlich nah gedruckt auf ein quadratisches Pappstück mit einem Inhalt wie Schmirgelpapier. Großartig, verwirrend, bekloppt. Genau mein Geschmack. Allerdings nur für meinen Kuriositätenfetisch. Keine zehn Pferde lassen mich zur Klinge greifen. Da bleibe ich lieber geschminkt.

Beobachten mit der Kamera schützt vor der Realität.

War das wirklich jetzt?

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Von allen großen und unerklärlichen Phänomenen der menschlichen Wahrnehmung ist Zeit wohl das am wenigsten zu begreifende.
Es ist schon eine geraume Weile her, dass ich in meiner mündlichen Abschlussprüfung über den Zeitbegriff bei Aristoteles sprach und mich dem Thema wissenschaftlich annäherte. Diese Zeit in einem sonnigen, staubigen Zimmer an der Universität, die ich mit meinem Professor verbrachte, die Berge von Büchern und Schriften, die ich aus der Bibliothek hinausbalancierte um sie mit dem Zug in eine andere Stadt zu bringen und in einem Dachzimmer an einem Buchenholztisch zu lernen, ist lange vorbei. Meine Erinnerung taucht sie in ein goldenes Licht, bei aller Anspannung einer Studierenden die ich damals sicher hatte, bleibt nur die Wolke der Zeit als Vieles noch vor mir lag und ich das Jetzt zelebrieren konnte, weil ich voller Zuversicht wusste, dass das nächste Jetzt freundlich war. Ich gab mir selber Zeit, mich zu entwickeln, denn meine Zeit lag ja noch vor mir.
Heute denke ich mit Staunen an die langsamen Tage, an denen ich las, schrieb und mich langweilte. Zu voll ist dieses Leben für meine reizoffenen Synapsen, die auf jedes Eichhörnchen reagieren. Ach, wenn es doch Eichhörnchen wären! Die Eichhörnchen sind längst Vergangenheit.

Da sitzt dieses Kind morgens vorm Fernseher, dessen Kindersicherung es zielsicher umgangen hat, macht den Ton leise, damit niemand aufwacht, liegt nur zehn Minuten dort, weil es ein Geräusch aus dem Flur hört, springt wie eine Katze auf und zieht den Stecker, der alles wieder in den Urzustand des schlafenden Wohnzimmers versetzt. Dieses Kind, das Eispapier in der Toilette herunterspült, um die Spuren zu beseitigen, läuft später durch den Wald und klettert auf Bäume, kommt nach Hause und schreibt eine Geschichte in sein kleines, kariertes Tagebuch. Mit pinkem Fineliner.

Was hat das mit der Zeit zu tun? Was mit mir? Sind Erinnerungen wirklich passiert? Philosophische, nicht rhetorische Fragen.

Wie bin ich hierher gekommen?
Durch die Zeit.

Novemberkälte

Ein Spaziergang am Fluss, wo alles erstarrt ist. Sich sogar die Klingel des emsigen Rennradfahrers im Nebel des späten Nachmittags verliert.

Eine erzwungene Ruhe, die meine Finger lähmt. Eine Ruhe zur rechten Zeit.

Geteilter Schmerz

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Wenn der Schmerz kommt, war oft die Anspannung zu groß. Dann nimmt er sich, was er braucht: die ungeteilte Aufmerksamkeit. Viele Fragen haben nur noch eine Antwort: er soll wieder aufhören.

Warum ist sie auch so sensibel? Immer hat sie etwas. Die eine Krankheit reicht der anderen die Hand. Wo gestern noch der Kopf schmerzte, ist das dumpfe Gefühl beim Vorbeugen verschwunden als hätte es nie existiert. Stattdessen ist es wieder der Rücken, der nur darauf wartet, vom Unterleib abgelöst zu werden. Wo bist du mit deinen Gedanken, Sophia? Vielleicht schon beim Arzt? Oder noch bei Google, Begriffe optimierend, die das Leid nicht lindern, doch wenigstens benennen können. Wenn schon Schmerz, dann wenigstens konkret. So kann sie sich dann darüber austauschen, das passende Produkt konsumieren und heilen.

Wenn der Schmerz geht, bemerkt sie es oft nicht. Es will sich Freude einstellen, doch sie weiß nicht wann. Der Schmerz öffnet die Tür, wenn er geht. Nicht ins Paradies.

Eine Wärmflasche könnte helfen. Und ein paar warme Worte.

Bald ist Nacht

Es ist Bremer Sommer. Ich tauche mit dem Kopf ein in eisiges Wasser. Beginne sofort zu schwimmen. Ich schwimme schnell, ich schwimme gut. Entferne mich vom Ufer. Das Kreischen wird leiser. Die gleichmäßigen Schwimmbewegungen vertreiben die Kälte aus meinem Körper. Es ist eine Idylle, es ist pures Glück, ich zu sein. Frei zu haben. Frei zu sein. Unter den Blicken der DLRG. Niemand soll ertrinken. Aber was kann mir schon passieren? Ich schwimme seit ich denken kann. Freiwillig. Ich lasse mich treiben und denke daran, dass in Malta der Kapitän eines Schiffes vor Gericht steht, weil er Menschen vor dem Ertrinken gerettet hat. Innerhalb Europas stünde er vor Gericht, wenn er es nicht getan hätte. Hier scheint die Sonne und ich schwimme weiter. Weil ich es kann. Bald wird es dunkel. In Europa beginnt die Nacht.

Silvestermorgen

Bilder von Sonne und Licht trocknen lassen an einem grauen Morgen, an dem der Regen zuverlässig unregelmäßig vom Himmel fällt. Es ist Silvester und Menschen bereiten sich auf den Jahresausklang vor. Wenn ich in Epochen denken würde, wäre ich froh, dass diese vorbei ist. Doch ich sehe mein Leben als einen verworrenen Zeitstrang, den ich nicht entknoten kann noch will. Wenn alles sortiert und kategorisiert vor einem läge, wie langweilig und profan wäre das Sein. Da male ich lieber noch ein Bild von Licht und wische die Regentropfen fort.